
Demenzforschung
Wenn die Signalübertragung im Gehirn gestört ist
Im Alter lagern sich bei manchen Menschen in den Nervenzellen des Gehirns winzige Eiweißverklumpungen ab, die zu schleichenden Ausfallerscheinungen führen können.
Neben der Alzheimer-Krankheit ist auch die Demenz mit Lewy-Körperchen" von solchen Eiweißablagerungen gekennzeichnet. Forscher der Universität Göttingen haben sich mit dieser zweithäufigsten Demenzerkrankung befasst und völlig neue Erkenntnisse darüber gewonnen.
Die so genannten Lewy-Körperchen wurden erstmals bei der Parkinson-Krankheit nachgewiesen, mit der die Demenzerkrankung viele Gemeinsamkeiten aufweist. Sie bestehen aus einem Eiweiß, dem alpha-Synuclein", dessen Aufgabe im menschlichen Körper noch nicht eindeutig geklärt ist. Lange Zeit wurde vermutet, dass Lewy-Körperchen die Nervenzellen zerstören und somit für die Ausfälle verantwortlich sind. Mit einer neuen Technik haben die Göttinger Wissenschaftler nun untersucht, wo genau diese Eiweißablagerungen in den Gehirnzellen zu orten sind.
Sie fanden die typischen Lewy-Körperchen inmitten der Zellen, daneben aber auch noch kleinere Verklumpungen, die aus demselben Eiweiß bestanden. Die kleineren Einschlüsse häuften sich massiv an den Nervenendigungen, und zwar dort, wo die Signalweitergabe stattfindet. Gleichzeitig stellten die Wissenschaftler fest, dass bei Patienten, die an dieser Demenzform gestorben waren, die Anzahl der Kommunikationspunkte zwischen den Nervenzellen erheblich verringert war.
Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Anhäufung von Eiweiß-Einschlüssen in der Nähe der Kontaktstellen die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen stark beeinträchtigt. Dies hat vermutlich zum Verlust von Nervenverbindungen bei den untersuchten Demenz-Patienten geführt und erklärt das Auftreten von Ausfallerscheinungen. Die Forscher vermuten, dass die Lewy-Körperchen im Zentrum der Zellen eher eine Folge der Störung sind: Sie stellen wahrscheinlich eine Art Müllhalde für die kleineren Einschlüsse dar, die von den heiklen Kontaktstellen wegtransportiert werden konnten.
Noch ist weitgehend unklar, warum bei manchen Menschen diese Eiweißablagerungen vermehrt entstehen. Die Forschungsergebnisse liefern aber neue Ansätze für die Entwicklung wirksamer Medikamente, die möglicherweise auch Parkinson-Patienten helfen könnten.



