Demenz mit Lewy-Körperchen
Binnen eines Jahres erkranken Körper und Geist
Die Demenz mit Lewy-Körperchen zeigt Ähnlichkeiten sowohl mit der Alzheimer- als auch mit der Parkinson-Demenz. Sie wird meist von motorischen Störungen begleitet, die binnen eines Jahres vor oder nach Beginn der Demenz-Symptomatik auftreten und denen einer Parkinson-Erkrankung ähneln. Typische Zeichen dieser Demenzform sind schwankende Aufmerksamkeit und Wachheit sowie wiederkehrende detailreiche Halluzinationen.
Die Demenz mit Lewy-Körperchen oder Lewy-Body-Demenz (LBD) wurde nach mikroskopischen Ablagerungen in geschädigten Nervenzellen, den sogenannten Lewy-Körperchen, benannt. Sie sind nur bei Gewebsuntersuchungen zu beobachten. Da die Entnahme von Gewebeproben aus dem Gehirn jedoch nur in seltenen Ausnahmefällen gerechtfertigt ist, können die Ablagerungen in der Regel nicht zur Diagnose der Erkrankung herangezogen werden.
Typische Symptome
Charakteristisch für die Demenz mit Lewy-Körperchen sind starke Schwankungen der Symptomatik. An manchen Tagen können die Betroffenen völlig gesund wirken, an anderen schwer beeinträchtigt. Die geistige Leistungsfähigkeit (mit Teilaspekten wie Aufmerksamkeit und Konzentrationsvermögen) ist beeinträchtigt. Die Reaktionen sind stark verlangsamt. Oft leiden die Betroffenen auch an optischen Halluzinationen. Bereits vor dem wahrnehmbaren Einsetzen der Hirnleistungsstörung können Bewegungsstörungen auftreten, die in einigen Fällen aber auch erst Monate später beobachtet werden.
Die körperlichen Beschwerden bei Demenz mit Lewy-Körperchen ähneln denen bei Parkinson. Der Körper ist steif und reagiert nur zögerlich auf Bewegungsabsichten der Betroffenen. Bewegungsabläufe wirken dadurch oft zähflüssig. Seltener als bei Parkinson treten hingegen Zitterbewegungen (Tremor) z.B. der Hände oder des Kopfes auf. Typisch sind häufige Stürze, vorübergehende Bewusstseinsstörungen und Ohnmachten mit einer Dauer von höchstens wenigen Sekunden (Synkopen). Auch auffälliger Harndrang und starke körperliche Bewegung während des Schlafs können auftreten. Die Betroffenen leiden daher oft auch an Schlafstörungen. Typisch ist weiterhin das Auftreten von Depressionen.
Abgrenzung gegenüber Alzheimer und Parkinson
Die Diagnose der Lewy-Körper-Demenz erfolgt wie bei allen Demenz-Formen auf Grundlage der geschilderten Symptome, der Krankengeschichte, der körperlichen Untersuchung sowie Röntgen- und anderen apparativen Untersuchungen. Die Diagnosestellung ist jedoch schwierig, da sich das Krankheitsbild sowohl mit Alzheimer als auch mit der Parkinson-Erkrankung überschneidet.
Bei der Diagnose der Demenz mit Lewy-Körperchen kann helfen, dass bestimmte Parkinson-Medikamente (L-Dopa, Dopamin-Agonisten) bereits in relativ niedrigen Dosen, die für diese Demenzform typischen Halluzinationen hervorrufen können, während Acetylcholinesterase-Hemmer sie zu unterdrücken vermögen.
Behandlung
Für die antidementive Behandlung der Lewy-Körperchen-Demenz steht bislang keine zugelassene oder ausreichend belegte Medikation zur Verfügung. Die medikamentöse Behandlung der Demenz mit Lewy-Körperchen ist deshalb schwierig, unter Umständen aber dennoch möglich. Zum einen verbessern Acetylcholinesterase-Hemmer wie Rivastigmin die geistige Leistungsfähigkeit der Patienten, doch ist aufgrund dieser Therapie eine gewisse zusätzliche Einschränkung der Bewegungsfähigkeit hinzunehmen. Zum anderen verhindert die Überempfindlichkeit der Betroffenen gegenüber Neuroleptika eine optimale Behandlung ihrer Begleitsymptome, insbesondere der Halluzinationen. In dieser Situation kann kurzfristige Behandlung mit sogenannten atypischen Neuroleptika einen akzeptablen Kompromiss darstellen.
Darüber hinaus gibt es gibt Hinweise für eine Wirksamkeit von Rivastigmin auf Verhaltenssymptome. Ein entsprechender Behandlungsversuch kann nach der aktuellen Diagnose- und Behandlungsleitlinie der beiden neurologischen Fachgesellschaften erwogen werden. Die Behandlung der Lewy-Körperchen-Demenz mit Rivastigmin ist aber eine Off-Label-Behandlung, d.h. der Wirkstoff kann in begründeten Einzelfällen vom Facharzt verordnet werden, das Medikament ist für die Behandlung der Lewy-Körperchen-Demenz jedoch noch nicht offiziell zugelassen.



