
Häufigkeit von Allergien
Erste-Welt-Länder liegen bei Allergieraten an der Spitze
Mit der steigenden Verbreitung von Allergien, wächst auch die gesundheitliche und ökonomische Bedeutung dieser Volkskrankheit. In großen Bevölkerungsstudien konnten eindeutig geographische und auch soziale Unterschiede in der Verbreitung von Allergien herausgearbeitet werden.
Für die europäischen Länder ist eine kontinuierliche Zunahme allergischer Erkrankungen belegt. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Schweiz, wo im Jahre 1926 nur 0,8%, im Jahre 1991 im Vergleich dazu 11% der Bevölkerung einen Heuschnupfen angaben.
Allergie typisch Frau
In Deutschland leiden derzeit rund 18% der Menschen unter dieser lästigen Form des Schnupfens. Auch Asthma und Neurodermitis haben stark zugenommen. Man schätzt, dass derzeit 5% der erwachsenen Bürger in Deutschland an Asthma leiden und sogar 9% der Frauen zwischen 18 und 29 Jahren. Auch an Neurodermitis erkranken mehr Frauen (9%) als Männer (5%). Diese Erkrankung nimmt allerdings mit steigendem Alter ab.
Häufigkeit unterscheidet sich zwischen Ost und West
Für alle allergischen Erkrankungen konnte nach der Wiedervereinigung ein interessanter Punkt herausgearbeitet werden: Sowohl die Anfälligkeit für bestimmte Allergene als auch allergische Erkrankungen waren bei den Bürgern Westdeutschlands häufiger zu finden als in Ostdeutschland. Gründe werden darin gesehen, dass beide Bevölkerungsgruppen 40 Jahre lang unter teils völlig unterschiedlichen Umweltbedingungen und sozialen Faktoren lebten.
Auf beiden Seiten der Mauer nahm die Allergierate in den verschiedenen Geburtsjahrgängen zwar zu, lag bei den zwischen 1962 und 1971 Geborenen jedoch bei 18% im Westen und 8% im Osten. Allerdings haben in den letzten Jahren die Ost-West-Unterschiede abgenommen, so dass derzeit bei Kindern in Bezug auf Heuschnupfen fast kein regionaler Unterschied mehr nachweisbar ist.
Welche Ursachen erklären die Zunahme?
Verschiedene Hypothesen, die man aus Bevölkerungsstudien herausgefiltert hat, werden derzeit als Ursache für die ansteigende Häufigkeit von Allergien vermutet. Zum einen werden heutzutage Allergien viel häufiger diagnostiziert. Damit wächst auch die Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Auch genetische Unterschiede können eine Ursache für die enorm unterschiedlichen Raten an Allergien in z.B. Afrika und Australien sein. Für die Zunahme innerhalb einer Bevölkerung, z.B. in Deutschland, gilt dies allerdings nicht.
Sozialer Status ausschlaggebend
Wissenschaftliche Studien konnten belegen, dass in besser ausgebildeten Familien häufiger Allergien auftreten als in Familien mit schlechter Ausbildung. Tritt eine Allergie jedoch bei sozial Schwächeren auf, so ist die Erkrankung häufig schwerer ausgeprägt. Hier ist interessant, dass übergewichtige Kinder, die häufiger in sozial schwachen Familien zu finden sind, schwerere Verlaufsformen eines Asthma haben als Normalgewichtige.
Warum ist die Ausbildung ein Risikofaktor? In Familien mit guter Bildung werden andere Verhaltensweisen gelebt als bei weniger Privilegierten: Es werden später und auch weniger Kinder geboren und die Wohnverhältnisse unterscheiden sich, somit ist der Kontakt zu Allergenen höchst unterschiedlich.
Hygiene- und Urwaldhypothese- ist da was dran?
Eine Allergie kann nur auftreten, wenn der Körper einem bestimmten Allergen ausgesetzt ist. Am häufigsten reagieren wir auf so genannte Aeroallergene z.B. Gräser und Roggen allergisch. Durch die Erderwärmung hat die Stärke und auch die Dauer des Pollenfluges in den letzten Jahrzehnten drastisch zugenommen. Auch in unseren Wohnungen finden sich immer mehr Allergene: Wärmegedämmte, voll isolierte, gut beheizbare und oft komplett mit Teppichen ausgelegte Wohnungen sind ein wahres Paradies für Schimmelpilze und Hausstaubmilben.
Durch unsere Sauberkeit, auch was die Nahrung angeht, und durch die kleiner werdenden Familien, ist unser Abwehrsystem - vor allem das Immunsystem des Darmes - immer weniger beschäftigt. Diese Unterbeschäftigung führt nun dazu, dass der Darm bereits auf harmlose Umwelteinflüsse allergisch reagiert. Man spricht hier von einer erhöhten Immunantwort. Dschungelbewohner, deren Darm häufig mit Parasiten und Würmern befallen ist, weisen dagegen so gut wie keine Manifestationen einer Allergie auf. Deren Immunsystem ist komplett mit der Abwehr der Parasiten beschäftigt (Urwaldhypothese).
Weitere frühkindliche Einflüsse
Säuglinge und Kleinkinder sind heutzutage vermehrt Zigarettenrauch ausgesetzt und werden wesentlich früher abgestillt. Für Experten sind das weitere Gründe, die zu einer Zunahme von Allergien führen.





