Biene auf einer Blume

Wissen Allergie

Das Immunsystem auf Irrwegen

Bei einer Allergie nimmt das Immunsystem seine Aufgabe übertrieben ernst. Es reagiert bereits, wenn es mit normalerweise harmlosen (z. B. Blütenpollen) oder sogar nützlichen Stoffen (z. B. Nahrungsmitteln) in Kontakt kommt. Warum mehr und mehr Menschen darunter leiden, kann niemand genau erklären. Fest steht allerdings, dass Erbanlagen eine Rolle spielen. So ist das Risiko, im Laufe des Lebens eine Allergie zu bekommen, deutlich erhöht, wenn Eltern oder Geschwister davon betroffen sind.

Die mit Abstand häufigste Allergie ist der Heuschnupfen (Pollenallergie), der nicht etwa durch Heu, sondern durch Blütenpollen ausgelöst wird. Weit verbreitet ist auch die Hausstauballergie. Verantwortlich dafür sind Hausstaubmilben (genau gesagt deren Kot), die sich unter anderem von abgeschilferten Hautschuppen ernähren. Die für das bloße Auge unsichtbaren Milben sind keinesfalls ein Ausdruck mangelnder Hygiene: Sie leben zu Millionen in jeder Wohnung, bevorzugt in Bettzeug und Matratzen. Leider gibt es auch Allergien gegenüber Haustieren. Schuld daran sind nicht - wie häufig vermutet - die Federn oder Haare der Tiere, sondern daran klebende Bestandteile von deren Speichel, Urin oder Kot. Nahrungsmittelallergien und nichtallergische Speiseunverträglichkeiten sind häufig schwer voneinander zu unterscheiden, weil beide Durchfall, Blähungen oder Erbrechen verursachen können. Desweiteren ist es oft schwierig, die Auslöser herauszufinden, da sich viele von ihnen (z. B. bestimmte Eiweiße) in Fertigprodukten "verstecken". Pollenallergiker können häufig einige pflanzliche Nahrungsmittel nicht vertragen, weil sie eine Kreuzallergie entwickelt haben.

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Kreuzallergien

Viele Menschen, die von Heuschnupfen geplagt sind, vertragen bestimmte pflanzliche Nahrungs­mittel nicht. Dabei handelt es sich meist um Kreuzallergien, die sich als eigenständige Allergie als Folge der Pollenallergie entwickelt haben. Wer beispielsweise auf Birkenpollen reagiert, muss damit rechnen, dass er Äpfel, Birnen oder Erdbeeren nicht essen kann. Weitere Zusammenhänge bestehen zwischen Beifußpollen und Paprika, Karotten und Sellerie sowie zwischen Gräserpollen und Tomaten, Hülsenfrüchten und Erdnüssen.

Vorsicht: Allergisches Asthma

Bei einigen Allergien, vor allem gegenüber Blütenpollen, Hausstaubmilben und Haustieren, besteht das Risiko, dass sich im Laufe der Zeit ein allergisches Bronchialasthma entwickelt. Die Medizin spricht dann von einem "Etagenwechsel", weil das allergische Geschehen von den oberen auf die unteren Atemwege übergegangen ist. Charakteristisch für ein Bronchialasthma sind schwere Husten­anfälle, verbunden mit Atembeschwerden bis hin zu lebensgefährlicher Luftnot.

Allergien bei Kindern

Jede Allergie ist ernst zu nehmen, selbst wenn sie nur leichte Beschwerden verursacht. Hauptproblem sind mögliche Langzeitfolgen, an erster Stelle das allergische Asthma. Um einem Kind im späteren Leben derartige Probleme zu ersparen, muss die Erkrankung entsprechend behandelt werden. Dazu gehören nicht nur die richtigen Medikamente, sondern auch das Meiden der Auslöser (in der Fachsprache Allergenkarenz). Dies gilt auch für eine Tierallergie, bei der das Haustier abgeschafft werden muss: Eine schwere und schmerzhafte Entscheidung, aber vor dem Risiko eines allergischen Asthmas die einzig richtige. Kindermit Allergien sollten in jedem Fall einem Arzt vorgestellt werden.

Wissenswertes

Blütenpollen (umgangssprachlich: Blütenstaub) tragen das männliche Erbgut der Pflanze. Sie werden durch Wind oder Insekten zu weiblichen Blüten oder Blütenteilen gebracht, um diese zu befruchten. Für den Heuschnupfen sind die Pollen von Windbestäubern bedeutsam, weil diese - um durch die Luft fliegen zu können - winzig klein und leicht sind. Hinzu kommt, dass die betreffenden Pflanzen sehr viele Pollen produzieren, da nicht alle ihr Ziel erreichen. Zu den Windbestäubern gehören Birke, Kätzchenbäume, Kräuter, Getreide und Gräser. Insektenbestäuber, beispielsweise Lilien und Rosen, haben dagegen schwere und klebrige Pollen, damit diese an Bienen, Hummeln und anderen Insekten haften bleiben und durch diese von Blüte zu Blüte gebracht werden.


Autor: Springer Professional Medicine
Stand: Sep 21, 2009


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