Allergie-Hauttests
Was sagen Prick-, Intrakutan-, Scratch-, Reib- und Patchtest?
Pricktest, Intrakutantest, Reibtest, Scratchtest und Patchtest liefern wichtige Hinweise auf Sensibilisierungen: In Kombination mit anderen Untersuchungsergebnissen sichern sie die Diagnose einer Allergie ab.
Bei Hauttests werden Allergene in die Haut gebracht. Kommt es am Testort zu einer charakteristischen Reaktion, weist dies auf eine Sensibilisierung* hin. Ob diese Sensibilisierung tatsächlich für die allergischen Beschwerden verantwortlich ist, lässt sich nur unter Berücksichtigung der Krankengeschichte und von weiteren Untersuchungen wie, Bluttests und ggf. Provokationstests klären.
Die Art der eingesetzten Tests hängt vom vorliegenden Allergie-Typ ab: Während bei allergischen Sofortreaktionen (Typ 1) wie Heuschnupfen, allergischem Asthma, Neurodermitis, Nesselsucht, Nahrungsmittel- oder Insektengiftallergie vor allem der Prick- und ggf. der Intrakutantest zum Einsatz kommen, steht bei allergischen Spätreaktionen (Typ IV) wie Kontaktallergien der Epikutantest im Vordergrund. Da die Hauttests bei hochgradigen Sensibilisierungen unter Umständen eine anaphylaktische Reaktion* auslösen können, stellen erfahrenes Personal und eine entsprechende Notfallausrüstung wichtige Voraussetzungen dar.
Pricktest
Bei Verdacht auf eine IgE-vermittelte Allergie vom Sofort-Typ, also eine Überempfindlichkeitsreaktion, die sich innerhalb weniger Sekunden oder Minuten nach Kontakt mit dem Allergen bemerkbar macht, ist der Prick-Test die Standardmethode. Zu typischen Allergenen, die auf diese Weise getestet werden, gehören Pollen, Tierhaare, Hausstaubmilben, Bienen- und Wespengift sowie Naturlatex, aber auch Nahrungsmittel, Schimmelpilze und Arzneimittel.
Beim Pricktest werden Lösungen verschiedener Allergenextrakte auf die Unterarm-Haut getropft. Anschließend sticht der Arzt (englisch = to prick) die Allergene mit einer kleinen Lanzette oberflächlich in die Haut hinein - ein Verfahren, das bei richtiger Anwendung keine Schmerzen verursacht, sondern lediglich ein bisschen unangenehm sein kann. Reagiert der Patient auf eine der Testlösungen allergisch, so bilden sich nach etwa 10 bis 20 Minuten an den betreffenden Stellen Rötungen oder Quaddeln, die einige Stunden lang bestehen bleiben.
Intrakutantest
Wenn trotz des deutlichen Verdachts auf eine Allergie der Prick-Test ohne Ergebnis geblieben ist, hat der Arzt die Möglichkeit, einen Intrakutantest vorzunehmen. Hierbei spritzt er mit einer feinen Kanüle stark verdünnte Allergenlösungen in geringem Abstand direkt in die Haut. Obwohl dieses Verfahren ein wenig schmerzhafter abläuft als der Prick-Test, hat es einen entscheidenden Vorteil: Weil das Allergen tiefer in die Haut gelangt, ist die Wahrscheinlichkeit einer Reaktion sehr viel größer. Nach wenigen Minuten auftretende Rötungen und Quaddeln zeigen eine Sensibilisierung gegen die betreffende Substanz an.
Im Vergleich zum Pricktest ist die Gefahr einer anaphylaktischen Reaktion beim Intrakutan-Test etwas höher. Sofern das Risiko einer heftigen allergischen Reaktion besteht, bei der mit Kreislaufproblemen zu rechnen ist, legt der Arzt als Vorsichtsmaßnahme vor Durchführung des Tests daher eine Venenkanüle. Auf diese Weise kann er im Notfall schnell ein Medikament in die Blutbahn geben, das die Reaktion wieder abklingen lässt.
Scratch- und Reib-Test
Beim Scratchtest wird die Haut mit einer Lanzette strichförmig eingeritzt (englisch = to scratch) und anschließend mit Tropfen verschiedener Allergenextrakte benetzt. Weil die Haut durch die mechanische Verletzung unspezifisch gereizt wird, liefert der Test manchmal keine eindeutigen Ergebnisse. In der allergologischen Praxis kommt der Scratch-Test daher nur noch selten zur Anwendung.
Vor einem Reibtest wird am Unterarm des Patienten die intakte Haut mit Alkohol entfettet. Anschließend reibt der Arzt anstelle einer künstlichen Testlösung die allergenhaltige Substanz im natürlichen Zustand mehrmals fest über die Stelle - zum Beispiel Tierhaare oder Obststücke. Aufgrund seiner geringen Empfindlichkeit ist dieser Test nur bei Patienten sinnvoll, bei denen eine besonders starke allergische
Patchtest
Der Verdacht auf das Vorliegen eines Kontaktekzems, einer Überempfindlichkeitsreaktion vom Spättyp, kann vom Arzt durch das Anbringen Allergen-haltiger Pflaster (englisch = patch) auf den Rücken des Patienten überprüft werden. Wichtige Voraussetzung für diesen Test ist eine komplett ausgeheilte Haut. Neben den etwa 25 Stoffen einer Standardreihe von Substanzen, die als häufige Auslöser von Kontaktekzemen bekannt sind, können auch Allergene getestet werden, die sich nach der Patientenbefragung als mögliche Ursache für die Beschwerden herausgestellt haben. Das erfordert vom Arzt jedoch entsprechende Erfahrungen.
Ein Patchtest (häufig auch Epikutantest genannt) lohnt sich bei Verdacht auf eine Vielzahl von Allergenen, darunter Metalle (Nickel, Chrom, Kobalt, Quecksilber, Gold), Kunstharze und Kleber, Duftstoffe, Konservierungsmittel, Farben, Leder- und Textilfarben, Desinfektionsmittel, Friseurstoffe sowie Kosmetika. Die Pflaster werden in der Regel nach 48 Stunden wieder entfernt. Der Arzt kann dann anhand der Hautreaktion des Patienten in den unterschiedlichen Testfeldern feststellen, ob gegen die jeweilige Substanz eine Sensibilisierung vorliegt oder nicht.
Glossar
Sensibilierung: Eine Sensibilisierung kann sich nach wiederholtem Kontakt des Immunsystems mit einem Allergen ausbilden. Sie hat zur Folge, dass das Immunsystem mit erhöhter Empfindlichkeit auf das Allergen reagiert. Die Sensibilisierung geht einer Allergie immer voraus. Liegt eine Sensibilisierung, jedoch keine Allergie vor, löst der Kontakt mit dem Allergen keine Beschwerden aus. Die Überempfindlichkeit lässt sich mit verschiedenen Tests nachweisen.
Anaphylaktischer Schock: Eine Anaphylaxie ist eine schwere allergische Sofortreaktion auf eine Substanz, z.B. ein allergieauslösendes Nahrungsmittel, die den gesamten Organismus betrifft. Voraussetzung ist dabei immer, dass eine Sensibilisierung gegenüber dem Auslöser besteht. Das Spektrum möglicher anaphylaktischer Reaktionen reicht von Hautreaktionen wie Rötungen und Schwellungen, die am gesamten Körper auftreten können, bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen mit gestörten Organfunktionen, Organversagen und Kreislaufschock - dem sogenannten anaphylaktischen oder auch allergischen Schock.





