
Spezifische Immuntherapie
Wirkt wie eine Impfung gegen Allergien
In manchen Fällen kann eine spezifische Immuntherapie oder Hyposensibilisierung die allergischen Beschwerden langfristig verbessern. Im Laufe der Behandlung wird das Immunsystem schrittweise an die verursachenden Allergene gewöhnt.
Geringe Allergendosen trainieren das Immunsystem
Bei allergischen Erkrankungen vom Soforttyp (Typ-1-Allergie) bietet sich die spezifische Immuntherapie (SIT), auch als Hyposensibilisierung bekannt, an. Das ist ein Behandlungsansatz, der als bislang einziger die Ursachen einer Allergie wirksam bekämpft. Hierbei werden den Betroffenen über einen längeren Zeitraum hinweg geringe Mengen des betreffenden Allergens verabreicht. Das Prinzip dieser Behandlung ähnelt dem einer Impfung und kann die Überreaktion des Immunsystems nach Kontakt mit dem Allergieauslöser nachhaltig und langfristig reduzieren.
Nachgewiesene Erfolge einer Hyposensibilisierung auf das Krankheitsgeschehen zeigen sich bei saisonaler allergischer Rhinitis (Heuschnupfen), bei leichtem und mittlerem allergischen Asthma gegenüber Baumpollen (Birke, Hasel, Erle), Gräserpollen (Roggenpollen), Beifußpollen, Hausstaubmilben sowie in einigen Fällen gegenüber Tierhaaren und Schimmelpilzen. Bei Allergien gegenüber Bienen- oder Wespengift hat sich die SIT oft als lebensrettend herausgestellt.
Art und Dauer der Behandlung
Vor Beginn einer spezifischen Immuntherapie ist es erforderlich, den oder die betreffenden Auslöser für die allergischen Beschwerden durch einen spezialisierten Facharzt (Allergologe) eindeutig diagnostizieren zu lassen. Bei der am häufigsten angewendeten Methode der subkutanen Immuntherapie (SCIT) werden dem Patienten anschließend geringe Mengen des jeweiligen Allergens als wässrige Lösung unter die Haut gespritzt. Die Behandlung erfolgt bei allmählich ansteigender Dosierung anfangs im Wochenrhythmus, später nach Erreichen der sogenannten Erhaltungsdosis im Abstand von 4-6 Wochen und kann über einen Zeitraum von 2 bis 5 Jahren fortgesetzt werden. Bei Insektengiftallergien ist unter Umständen eine lebenslange Therapie ratsam. In vielen Fällen bemerkt der Patient bereits nach einem Jahr eine deutliche Besserung seiner Symptomatik.
Eine weitere Variante bietet die sublinguale ("unter der Zunge") Immuntherapie (SLIT), bei der die Allergene in Tropfenform oder als Schmelztablette über die Mundschleimhaut aufgenommen werden. Da hier die Einnahme zu Hause erfolgen kann, besteht das Risiko von Fehldosierungen; zudem müssen die Allergene täglich zugeführt werden, um einen entsprechenden Behandlungserfolg zu erzielen. Die sogenannte Kurzzeit-Immuntherapie wird heutzutage hauptsächlich bei Pollenallergien angewendet und beruht auf der Verwendung hochdosierter Allergenextrakte, die einen relativ schnellen Behandlungserfolg ermöglichen soll.
Trotz Risiko für Komplikationen profitieren Kinder besonders
Die Erfolgsaussichten einer spezifischen Immuntherapie sind am größten, wenn die Allergie nur auf wenige Auslöser begrenzt ist und die Behandlung vor dem 40. Lebensjahr beginnt. Die Therapie eignet sich somit besonders für Kinder ab dem 5. Lebensjahr, zumal eine Hyposensibilisierung das Auftreten weiterer Allergien und die Entwicklung von Asthma verhindern kann.
Obwohl die Wirksamkeit einer spezifischen Immuntherapie durch zahlreiche Studien belegt ist, birgt sie jedoch auch gewisse Risiken: Das Spektrum reicht hierbei von leichten allergischen Reaktionen an der Einstichstelle bis hin zu einem lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock. Vor Beginn der Behandlung sollte somit das Auftreten möglicher Komplikationen in Betracht gezogen werden und eine Hyposensibilisierung ausschließlich dann erfolgen, wenn es nicht möglich ist, die jeweiligen Allergene dauerhaft zu meiden oder die Allergiesymptome mit Medikamenten wie Mastzellstabilisatoren und Antihistaminika nicht in den Griff zu bekommen sind.
Stiftung Warentest (Hrsg.): Allergien, 2007; S. 70-73
Die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) bei IgE-vermittelten allergischen Erkrankungen. Allergo J 2006, 15, 56-74
Johannes Ring: Angewandte Allergologie. 3. neu bearbeitete Auflage; Urban und Vogel München 2007






