
Nahrungsmittelallergie behandeln
Ernährungsumstellung und medikamentöse Akuttherapie
Erste Maßnahme nach Diagnosestellung ist es den Auslöser vom Speiseplan zu streichen. Gegen allergische Symptome können Antihistaminika und im Einzelfall eine spezifische Immuntherapie helfen.
Vorbeugung beginnt mit der Muttermilch
Nahrungsmittelallergien machen sich häufig bereits im Säuglings- oder Kleinkindalter bemerkbar und sind oft ein Anzeichen für das spätere Auftreten weiterer allergischer Erkrankungen. Die Ernährung des Säuglings hat aus diesem Grund für die Allergieprävention große Bedeutung.
Viele wissenschaftliche Studien konnten belegen, dass das möglichst ausschließliche Stillen bis zum sechsten Lebensmonat eine effektive Maßnahme zur Allergievorbeugung ist: Muttermilch ist nicht nur allergenarm, sondern stimuliert auch den Reifungsprozess des kindlichen Immunsystems und wirkt sich zudem günstig auf die bakterielle Besiedlung des Darms aus. Damit sind die Voraussetzungen für eine starke Immunabwehr bei gestillten Kindern deutlich besser. Bei Säuglingen, die aus verschiedenen Gründen nicht gestillt werden können, hat sich hypoallergene Babynahrung bewährt, um einen optimalen Schutz vor Infektionen und Allergien zu gewährleisten.
Allergene Lebensmittel meiden
Auch wenn in den meisten Fällen eine Nahrungsmittelallergie bis zum fünften Lebensjahr von selbst abklingt, besteht bei den betroffenen Kindern eine lebenslange Disposition für weitere allergische Erkrankungen, wie Asthma bronchiale, allergische Rhinitis und Neurodermitis.
Nahrungsmittelallergien im Jugend- und Erwachsenenalter sind zudem oftmals nicht in erster Linie auf eine Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Nahrungsbestandteilen zurückzuführen, sondern das Ergebnis von sogenannten Kreuzallergien. Hierbei richtet sich die ursprüngliche (allergische) Sensibilisierung häufig gegen einen Auslöser, der eingeatmet wird - ein Inhalationsallergen. Ein nicht seltenes Beispiel für eine derartige Kreuzreaktion ist das orale Allergiesyndrom (OAS) bei Birkenallergikern. Da ein Eiweiß im Apfel dem Hauptallergen in Birkenpollen ähnelt, kann es beim Verzehr dieser Früchte zu allergischen Symptomen an der Mundschleimhaut kommen.
Ein Beispiel einer tatsächlichen Nahrungsmittelallergie hingegen ist die Überempfindlichkeit gegenüber Erdnüssen, die sich in heftigen allergischen Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock äußern kann. Weitere Nahrungsmittel mit hohem allergenen Potenzial sind Fisch, Nüsse, Milch, Sellerie, Soja und Sesam.
Sobald eine Nahrungsmittelallergie diagnostisch gesichert ist und die Auslöser bekannt sind, besteht die einzig wirksame Maßnahme in einem Verzicht auf den Verzehr dieser Lebensmittel. Bei bestimmten Allergenen wie Sojaeiweiß sollten Betroffene auf die kennzeichnungspflichtigen Inhaltsstoffe achten, da viele industriell gefertigten Produkte Soja enthalten.
Der Effekt spezieller Diäten, die auf eine Rückbildung bzw. Heilung entsprechender Allergien abzielen, konnte bislang nicht belegt werden.
Medikamentöse Therapie richtet sich nach Beschwerdebild
Die Auswahl einer medikamentösen Behandlung von Nahrungsmittelallergien richtet sich in erster Linie nach der Art des Beschwerdebildes. Bei leichten allergischen Allgemeinreaktionen wie Hautrötungen mit Juckreiz, allergischem Schnupfen oder Nesselsucht (Hautquaddeln) empfiehlt sich die Einnahme schnellwirkender Antihistaminika oder Mastzellstabilisatoren, die rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind. Beide Wirkstoffe können die akuten, allergischen Symptome lindern, sind allerdings nicht für eine langfristige Behandlung gedacht.
Falls sich die Nahrungsmittelallergie in Form asthmatischer Beschwerden mit Atemnot bemerkbar macht, kann im akuten Fall die Inhalation eines bronchienerweiternden Beta-2-Sympathomimetikums helfen.
Prinzipiell sollten sich Betroffene in ärztliche Behandlung begeben und das möglichst schnell bei einer Eskalation der Beschwerden wie dem Auftreten von Kreislaufbeschwerden.
Die einzig bisher bekannte Therapie, die in manchen Fällen zu einer Heilung führen kann, ist die spezifische Immuntherapie (SIT), auch unter dem Begriff Hyposensibilisierung bekannt. Besonders bei Vorliegen einer Nahrungsmittelallergie, die sich als Kreuzreaktion gegen Allergene wie Baum- und Gräserpollen, Tierhaare, Insektengift, Hausstaubmilben und Schimmelsporen herausbildet, lassen sich hier unter gewissen Voraussetzungen vielversprechende Behandlungsergebnisse erzielen.





