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Lebensmittelallergie

Kinder häufig sensibilisiert – aber nicht allergisch

Bei jungen Kindern sind Sensibilisierungen gegen Nahrungsmittelallergene häufig. Inwieweit dies letztlich zu einer Nahrungsmittelallergie führt und welche Rolle das atopische Ekzem dabei spielt, dem sind Wissenschaftler in Dänemark jetzt in einer Studie nachgegangen.

Wissenschaftler des Danish Allergy Research Center (DARC) haben in einer Studie mit insgesamt 562 Kindern, die sie von Geburt an sechs Jahre lang beobachteten, untersucht, wie häufig eine Sensibilisierunggegenüber Nahrungsmittelbestandteilen vorlag und wie häufig diese dann tatsächlich zu allergischen Reaktionen führte. Zudem untersuchten sie, wie häufig ein atopisches Exzemim Zusammenhang mit Nahrungsmittelallergien stand. Dazu interviewten sie die Eltern der Kinder von deren Geburt an in regelmäßigen Abständen und führten körperliche Untersuchungen sowie Pricktests und IgE-Testbei den Kindern durch. Mit Pricktests und IgE-Bestimmungen lässt sich eine Sensibilisierung gegen Nahrungsmittelallergene nachweisen.

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Innerhalb von sechs Jahren wurde bei 65 Kindern (12%) von einer atopischen Dermatitis oder Quaddelbildung und Schnupfen im Zusammenhang mit Nahrungsmitteln berichtet. Bei 66 Kindern mit Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie führten die Mediziner orale Provokationstests zum sicheren Nachweis der Allergie durch. Bei 20 Kindern wurde im Verlauf der sechsjährigen Untersuchungszeit eine Allergie bestätigt.

Interessant waren vor allem die Entwicklungen im zeitlichen Verlauf. Die Zahl der neu aufgetretenen Nahrungsmittelallergien nahm mit der Lebenszeit ab, neu aufgetretene Fälle von Nahrungsmittelallergien wurden ab einem Alter von drei Jahren nicht mehr beobachtet, bereits bestehende Allergien bildeten sich teilweise sogar zurück. Nach sechs Jahren bestand keine Allergie mehr gegen Milch- und zu 80 Prozent nicht mehr gegen Hühnereiweiß. Die ersten Fälle von Erdnussallergie wurden erst ab 18 Monaten nachgewiesen. Verdachtsfälle auf Fleisch-, Fisch- oder Sojaallergie bestätigten sich nicht.

Zudem zeigte sich, dass die meisten Kinder, bei denen eine Sensibilisierung vorlag, keine Allergien ausbildeten. Insgesamt wiesen die Wissenschaftler bei 47 Prozent der Studienteilnehmer Sensibilisierungen nach. 92 Prozent dieser Kinder zeigten jedoch keinerlei Unverträglichkeitsreaktionen. 16 der 20 Kinder mit bestätigten Nahrungsmittelallergien waren zusätzlich sensibilisiert gegen weitere Allergene, die sie problemlos tolerierten. Unter 122 Kindern mit atopischer Dermatitis war in 18 Fällen (14,8%) eine Nahrungsmittelallergie nachweisbar. Im Vergleich zu gesunden Studienteilnehmern zeigten Kinder mit atopischer Dermatitis aber keine häufigeren Sensibilisierungen gegenüber Nahrungsmittelallergenen.

Fazit: Die Ergebnisse der vorliegenden Studie weisen auf einen großen Unterschied zwischen Sensibilisierungsraten und klinisch bestätigten Nahrungsmittelallergien hin. Ebenso scheint die atopische Dermatitis bei jungen Kindern in den meisten Fällen nicht mit einer Nahrungsmittelallergie in Zusammenhang zu stehen. Daher sollten zur Absicherung der Diagnose einer Nahrungsmittelallergie unbedingt standardisierte Provokationstests durchgeführt werden, betonen die Studienautoren. Anhand von Hautsymptomen oder des Nachweises einer Sensibilisierung gegen bestimmte Nahrungsmittel lassen sich Nahrungsmittelallergien demnach nicht ausreichend nachweisen.

Glossar:

Sensibilisierung bedeutet, dass der Körper nach Erstkontakt mit einem an sich harmlosen Umweltstoff (Allergen) eine fehlgeleitete Immunantwort aufgebaut hat, die bei nochmaligem Kontakt eine Allergie zur Folge haben kann. Die Sensibilisierung ist die Voraussetzung für das Auftreten einer Allergie, sie führt aber nicht zwangsläufig dazu, dass eine Allergie auftritt.

atopisches Exzem: auch atopische Dermatitis = allergisch bedingte Hauterkrankung, z.B. Neurodermitis

Pricktest: Spezieller Hauttest zum Nachweis einer vorliegenden Sensibilisierung gegen bestimmte Stoffe, z.B. Lebensmittel oder Lebensmittelbestandteile

IgE-Test: Bluttest zur Bestimmung der Immunglobulin-E (IgE)-Antikörper im Blut, dient zum Nachweis einer vorliegenden Sensibilisierung

oraler Provokationstest: Bei einem oralen Provokationstest nimmt der Patient mit einer zunächst allergenfreien Nahrung nach und nach verschiedene Nahrungsmittel (durch den Mund = oral) auf, die als Auslöser einer Allergie infrage kommen, wobei die Verträglichkeit beobachtet wird. Auf diese Weise lässt sich feststellen, welche Nahrungsmittel allergische Reaktionen auslösen. Im Gegensatz zu einem Prick- oder IgE-Test, der eine vorhandene Sensibilisierung, aber nicht direkt die Allergie nachweist, gilt der Provokationstest als sicherer Nachweis für eine Allergie.


Quelle: Allergo Journal, Oktober 2009, S. 478
Nach Informationen von Allergy 2009; 64: 1023–9
Autor: Af / überarbeitet für Patienten Springer Medizin Lifeline
Stand: Jan 21, 2010


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