
Insektenstichallergie
Hyposensibilisieren oder nicht?
Bei Patienten mit schweren allergischen Reaktionen auf Bienen- oder Wespenstiche verbessert die spezifische Immuntherapie(SIT) die Lebensqualität. Einer aktuellen Studie zufolge ist sie aber auch für Patienten geeignet, die lediglich mit Hautsymptomen auf Insektenstiche reagieren.
Nicht wenige Menschen leiden an einer Insektengiftallergie. Ein Stich kann bei ihnen teils schwere allergische Reaktionen (Anaphylaxie) auslösen, die den gesamten Organismus betreffen. Das Spektrum möglicher anaphylaktischer Reaktionen reicht dabei von leichten Hautreaktionen wie Rötungen und Schwellungen, die an der Einstichstelle, aber auch am ganzen Körper auftreten können, bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen mit gestörten Organfunktionen, Organversagen und Kreislaufschock. Die spezifische Immuntherapie (SIT)[ stellt eine Behandlungsmöglichkeit dar, mit der sich die allergischen Beschwerden langfristig bessern können.
In Europa wird die SIT oft nur den Patienten angeboten, die nach Bienen- oder Wespenstichen schwerere allergische Reaktionen entwickeln. Unter der Therapie berichten solche Patienten über eine deutlich ansteigende Lebensqualität - im Gegensatz zu denjenigen, die ausschließlich einen Adrenalinautoinjektor1 für den Notfall erhielten. Nun wurden auch Patienten mit ausschließlich systemischer Hautreaktion2 (Anaphylaxie-Schweregrad I) hinsichtlich ihrer Lebensqualität untersucht.
An der Studie nahmen 55 Patienten teil, die alle gegen Wespengift sensibilisiert3 waren und bislang nur systemische Hautreaktionen auf Stiche gezeigt hatten. Diese erhielten entweder eine SIT oder ausschließlich einen Adrenalinautoinjektor, den sie im Notfall anwendeten. Während des Beobachtungszeitraums von einem Jahr wurde die Einschränkung der Lebensqualität durch die Therapie mittels Befragung dokumentiert.
Die Lebensqualität verbesserte sich bei Patienten mit einer Hyposensibilisierungsehr deutlich gegenüber der „Injektor-Gruppe“. Die Patienten aus der SIT-Gruppe empfanden ihre Behandlung nicht als belastend und stuften sie gegenüber dem ständigen Mitführen eines Autoinjektors als überlegen ein. 83 Prozent der "Injektor-Patienten" wollten nach Abschluss der Studie ebenfalls eine SIT beginnen.
Fazit: Patienten mit ausschließlich systemischen Hautreaktionen nach Insektenstichen stufen ihre krankheitsbezogene Lebensqualität unter einer Hyposensibilisierung besser ein als Patienten, die mit einem Adrenalinautoinjektor versorgt werden.
Glossar
1) Adrenalinautoinjektor: Adrenalinspritze zur Selbstanwendung
2) Systemische Hautreaktion: Hautreaktion, die unabhängig vom Einstichort den gesamten Körpers betreffen kann. Im Gegensatz dazu sind lokale Hautreaktionen Reaktionen am Einstichort.
3) Sensibilisierung bedeutet, dass der Körper nach Erstkontakt mit einem an sich harmlosen Umweltstoff (Allergen) eine fehlgeleitete Immunantwort aufgebaut hat, die bei nochmaligem Kontakt eine Allergie zur Folge haben kann. Die Sensibilisierung ist die Voraussetzung für das Auftreten einer Allergie, sie führt aber nicht zwangsläufig dazu, dass eine Allergie auftritt.






