
Allergie im Alltag
Erdnuss-Allergien auf dem Vormarsch
Für immer mehr Menschen können schon winzige Erdnussspuren zur Gefahr werden. Forscher haben nun eine mögliche Erklärung für den gefährlichen Trend gefunden.
Allergien entwickeln sich zunehmend zu einer Volkskrankheit. Jedes dritte Kind wird mittlerweile positiv auf eine Allergie getestet, entsprechend drastisch steigt auch die Zahl der allergiegeplagten Erwachsenen an. Die Erdnussallergie kommt vor allem in den USA vor, wo sie für zwei Drittel der Todesfälle durch Schockreaktionen der Atemwege und des Kreislaufs (Anaphylaxie) verantwortlich ist. Auch in Deutschland führt die Hülsenfrucht mittlerweile die Rangliste der Auslöser für schwere und tödlich verlaufende allergische Reaktionen an. Vier bis acht Prozent der Menschen reagieren überempfindlich, etwa 30.000 Menschen droht ein anaphylaktischer Schock.
Weltweit sind immer mehr Menschen von der Erdnussallergie betroffen. In einer aktuellen Erhebung machen Mediziner aus Großbritannien jetzt von einer Verdopplung der Fälle in den Jahren 2001 bis 2005 aus. Auch in Deutschland steigt die Zahl der Betroffenen deutlich an. Frank Friedrichs von der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA) führt an, dass heute schon jedes zehnte Kind allergisch gegen Ernussspuren ist.
Erdnussölhaltige Cremes als Allergieauslöser
Eine Erdnussallergie tritt bevorzugt im Kindesalter auf. Lange Zeit vermuteten Forscher, dass die Allergene der Erdnuss über die Muttermilch in den Körper des Säuglings gelangen. Die Allergie würde demnach von einer an die nächste Generation weitergereicht werden. Britische Ärzte konnten keinen entsprechenden Zusammenhang nachweisen. Sie nehmen nach Auswertung einer Studie an, dass die Allergene nicht oral, sondern über die Haut weitergegeben werden.
Die Ärzte um Gideon Lack vom Londoner St. Mary's Hospital berichteten im "New England Journal of Medicine", dass die Statistik darauf hinweise, dass es einen Zusammenhang zwischen der Behandlung wunder Windelpopos mit erdnussölhaltigen Wundcremes und der Entstehung der Nussallergie gibt. Lack vermutet, dass bereits die Aufnahme geringer Mengen von Erdnuss-Antigenen über die entzündete Haut zu einer allergischen Sensibilisierung führen kann. Die Ärzte raten den Eltern dazu, Angaben von Inhaltsstoffen auf Kinderpflege-Produkten genau zu lesen.
Eine strikte Diät ist unerlässlich
Erdnussallergiker sollten die Hülsenfrucht konsequent meiden. Doch das ist gar nicht so einfach. Denn schon winzige Verunreinigungen können schwere allergische Reaktionen auslösen. Erdnüsse und Erzeugnisse aus Erdnüssen werden immer häufiger in der Lebensmittelindustrie verwendet, so dass alle industriell hergestellten Produkte auf Spuren von Erdnüssen untersucht werden müssen.
Nach der neuen EU-Allergen-Kennzeichnungsverordnung aus dem Jahre 2005 müssen erdnusshaltige Lebensmittel gekennzeichnet werden. Die Zutatenliste sollte also in jedem Fall gelesen werden, wenn eine Erdnussallergie vorliegt. Lose Waren vom Bäcker und Metzger sind von dieser Kennzeichnungspflicht ausgenommen. Hier bleibt dem Allergiker nur die Auskunft vom Verkäufer. Am besten verzichten Betroffene gänzlich auf lose Waren und kaufen verpackte Wurst- und Backwaren.
Auf einigen Fertigprodukten ist der freiwillige Hinweis "Kann Spuren von Erdnuss enthalten" vermerkt. Das bedeutet, dass die Hülsenfrucht nicht als feste Zutat im Produkt enthalten ist, durch Produktionsabläufe jedoch Spuren von Erdnüssen enthalten sein können. Diese "Spuren" können bereits ausreichen, um eine allergische Reaktion auszulösen. Besonders häufig leicht kommen Lebensmittel wie Gebäck, Müsli, Müsliriegen und Schokolade mit Erdnussspuren in Berührung.






