Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie fordert:
Schmerztherapie soll individueller werden
Die moderne Schmerztherapie soll verschiedene Behandlungsstrategien gleichzeitig zulassen und individuell auf die Erfordernisse der Patienten zugeschnitten sein. Zu diesem Resultat kommt Dr. Gerhard H.H. Müller-Schwefe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie.
Dabei beruft sich der Experte auf Untersuchungen, die klar belegen, dass individuelle Therapien konventionellen Behandlungsformen überlegen sind. Denn so unterschiedlich, wie die einzelnen Patienten sind, sind auch die Ursachen ihrer Schmerzen. Auch die Verarbeitung der Schmerzen ist nicht einheitlich, da sie etwa von genetischen und psychologischen Faktoren abhängt.
Neue Untersuchungen helfen zu verstehen, wie genau Schmerzlinderung und Schmerzempfindlichkeit funktionieren. Werden Patienten lange Zeit mit starken Schmerzmitteln (Opioiden) behandelt, kann es passieren, dass ihre Schmerzempfindlichkeit mit der Zeit zunimmt und die Dosis des Medikaments entsprechend erhöht werden muss. Andere Studien zeigen, dass ein abruptes Absetzen von Opioiden dazu führt, dass die Schmerz verarbeitenden Zellen übererregt werden. Dieser Effekt kann vermieden werden, indem die Schmerzlinderung lückenlos fortgeführt wird.
Müller Schwefe erläutert: "Wir müssen die Dauer und Stärke der Medikamentenwirkung bei einem individuellen Patienten daher sehr genau ermitteln und auf dieser Grundlage das Dosierungsschema entwickeln. So können wir vermutlich viele Patienten davor bewahren, dass die Medikamentendosis erhöht werden muss.“
Wesentlich seien auch die Erkenntnisse einer anderen Studie. Sie belegt, dass eine interdisziplinäre, multimodale Therapie der konventionellen Behandlung überlegen ist. So profitierten Rückenschmerzpatienten am stärksten von einer Komplextherapie. Eine solche Therapie schließt Ärzte, Psychologen und Physiotherapeuten sein. Erfolgen die Behandlungen gleichzeitig, liegt die Erfolgsquote bei stolzen 80 Prozent. Die meisten der Patienten waren nach gerade einmal vier bzw. acht Wochen wieder arbeitsfähig.


