Well-Being
Einfluss der Akupunktur auf das Immunsystem
Die Wirkung der Akupunktur beruht nach traditioneller Vorstellung auf der Wiederherstellung und Korrektur eines gestörten Energieflusses durch den Körper. Was sich dabei aber genau im Organismus abspielt, ist bis heute noch nicht hinreichend geklärt. Allerdings deuten verschiedene Studien und Fallberichte darauf hin, dass sich durch die Nadeln unter anderem ein Effekt auf das Immunsystem erzielen lässt. So wurden nach ihrer Anwendung eine Erhöhung der Aktivität von Abwehrzellen beobachtet.
Die Abwehrzellen in unserem Körper verständigen sich im Kampf gegen Krankheiten mit Hilfe kleiner Eiweißmoleküle - den so genannten Zytokinen. Diese Botenstoffe sind mitverantwortlich für einen erfolgreichen Ablauf der Immunreaktion, denn sie koordinieren die Abwehr von Krankheitserregern. Sie verteilen sich rasch über das Blut und geben ihre Befehle an die entsprechenden Zellen weiter, indem sie an bestimmte Stellen an den jeweiligen Zellen (Rezeptoren) andocken.
Wirkung von Akupunktur auf das Immunsystem
Bereits frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass Akupunktur die Produktion von Zytokinen anregen kann. US-amerikanische Wissenschaftler haben nun näher untersucht, welchen Effekt die Akupunktur genau auf das menschliche Immunsystem hat. Sie testeten dies an einer kleinen Gruppe Freiwilliger, die sich zuvor noch nie einer Akupunkturbehandlung unterzogen haben.
Jeder Teilnehmer erhielt im Abstand von zehn bis 14 Tagen jeweils eine echte Akupunkturbehandlung und eine Scheinakupunktur zur Kontrolle. Als Akupunkturpunkt bestimmten die Autoren Di 4, der beidseitig für 20 Minuten genadelt wurde. Dieser Punkt liegt auf dem Dickdarmmeridian und befindet sich auf der Handoberfläche zwischen dem ersten und zweiten Mittelhandknochen. Die Forscher bestimmten den Gehalt der Zytokine im Blut der Studienteilnehmer vor und nach der Akupunkturbehandlung.
Die Werte waren vor der Akupunktur bei allen bis auf eine Person unterhalb der Nachweisgrenze. Im Anschluss an die Di 4 Nadelung kam es bei einigen Teilnehmern zu einer Erhöhung der Zytokinkonzentration im Blut (z.B. das Interleukin 2). Dabei gab es keinen Zusammenhang mit Alter, Geschlecht und Herkunft der untersuchten Personen. Nach der Scheinakupunktur ließ sich hingegen in keiner einzigen Blutprobe ein Zytokinanstieg nachweisen.
Weitere Untersuchungen nötig
"Eine Einzelpunktbehandlung ist wenig sinnvoll, um Aussagen über die Effekte der Akupunktur auf die Immunabwehr zu studieren", gibt Dr. Bernd Ramme von der Akademie für Akupunktur und Aurikulomedizin e.V. (DAAAM) zu bedenken. Weiterer Forschungsbedarf zu diesem Thema ist also nötig, denn ob und wie sich die Akupunktur auf die Bildung der Botenstoffe auswirkt, bleibt nach diesen Ergebnissen weiter offen. Immerhin zeigen diese Daten eine Tendenz auf. Die Stimulation des Immunsystems durch Akupunktur - falls sie sich denn gezielt anwenden ließe - könnte als nebenwirkungsfreie und kostengünstige Therapie Chancen für die Krebstherapie und für Patienten, deren Immunabwehr geschwächt ist, eröffnen. Bereits jetzt werden Zytokine zur Therapie eingesetzt, um die immunologische Abwehr anzuregen. Das Interleukin-2 wird beispielsweise in der Therapie von Krebserkrankungen eingesetzt. Daher sollte das Potenzial der Methode bei sorgfältig ausgewählten Patientenkollektiven weiter getestet werden.
(DAAAM)
Quelle: Johansen M et al: Effect Of Acupuncture On Circulation Cytokines In Healthy Subjects. American Academy of Medical Acupuncture, Online Journal Volume 15 #2, 2004




