Well-Being
Frau muss nicht leiden - Akupunktur im Klimakterium
"Die Menstruation und das Zunehmen und Abnehmen der weiblichen Energie ist vergleichbar mit einem "Wechselstrom". Mit Eintritt der Menopause wird der Energiefluss intensiver und stetig, wie ein "Gleichstrom". Wir sind in dem Maße mit Energie geladen, wie wir uns der Weisheit der alten Frau geöffnet haben." (Farida Shaw)
Kaum eine Lebensphase birgt ein so großes Potenzial für Einsichten und das Erschließen der spezifischen Kräfte einer Frau wie die Wechseljahre - vorausgesetzt, sie schafft es, sich ihren Weg durch die gesellschaftliche Geringschätzung zu bahnen, mit der diese in der westlichen Welt betrachtet wird.
Über welche Beschwerden berichten die Frauen?
Das Nachlassen der Östrogenproduktion in dieser Zeit führt zu erheblichen Umstellungen im vegetativen Nervensystem. Zu den täglich geklagten Beschwerden in meiner gynäkologischen Praxis gehören die Hitzewallungen, häufig verbunden mit Herzrasen und Schweißausbrüchen. Durch Veränderungen des Botenstoff-Stoffwechsels kommt es ferner zu Schlafstörungen, insbesondere sind die Tiefschlafphasen vermindert.
Diese Umstellungsprozesse können für sich allein oder in Kombination mit anderen Faktoren zu psychischen Beschwerden führen. Man bedenke, dass in der Zeit um das 50. Lebensjahr herum, oft die Kinder das Haus verlassen und der Ehemann gerade den Höhepunkt seiner beruflichen Karriere erlebt. So treten nicht selten ausgeprägte depressive Verstimmungen auf, die bis hin zu Angstzuständen reichen können.
Was bietet die Schulmedizin an?
In der Schulmedizin werden zur Beseitigung dieser Beschwerden Hormonpräparate verordnet. Viele Frauen äußern heute jedoch den Wunsch nach "hormonfreien Wechseljahren". Bei Brustkrebs in der Vorgeschichte oder schweren Lebererkrankungen ist die Hormongabe meist ohnehin nicht angezeigt.
Welche Alternative gibt es?
Die Akupunktur kann die Beschwerdesymptomatik günstig beeinflussen. Gern kombiniere ich diese Therapieform mit homöopathischen oder pflanzlichen Präparaten. Aus wissenschaftlichen Untersuchungen weiß man, dass nach Reizung bestimmter Akupunkturpunkte der Spiegel der Endorphine (Glückshormone) im Blut ansteigt. Die Endorphine sind z.B. beteiligt an der Steuerung vegetativer Funktionen, der Regulation der Körpertemperatur und der Steuerung des Antriebes.
Bei der Behandlung der klimakterischen Beschwerden durch Akupunktur bietet sich insbesondere die Ohrakupunktur an, da in der Ohrmuschel Hormonpunkte und vegetative Punkte zu finden sind. Die Psyche kann günstig über die so genannten psychischen Punkte beeinflusst werden.
Im Rahmen einer guten Ohrakupunktur sollte gleichzeitig immer nach so genannten "Störfeldern" gefahndet werden. Dies sind Stellen im Körper, die den Energiefluss beeinträchtigen und eine endgültige Heilung des Menschen ohne Behandlung dieser Störfelder unmöglich machen. Tote Zähne, Narben oder chronisch entzündete Mandeln können beispielsweise Störfelder werden, müssen dies aber keinesfalls zwangsläufig sein.
Für die Behandlung der klimakterischen Beschwerden kommen am Ohr unter vielen anderen folgende Punkte in Betracht:
- Östrogenpunkt
- Gelbkörperhormonpunkt
- Punkt der Hirnanhangdrüse
- Aggressionspunkt
- Valiumpunkt
- Ärgerpunkt
- Antidepressiver Punkt
Im Allgemeinen wird eine Auswahl aus diesen Punkten 1-2 mal pro Woche genadelt. Bei ängstlichen oder empfindlichen Frauen ist auch eine völlig schmerzfreie Behandlung mit dem Therapielaser möglich. Bis zur Beschwerdefreiheit sind in der Regel 10-15 Sitzungen nötig. Die Kosten werden hier von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen. Bei den privaten Versicherungen besteht die Chance auf Kostenübernahme.
Die Autorin: Dr. Ingrid Hiddessen, Minden;
Referentin der Deutschen Akademie für Akupunktur und Aurikulomedizin




