Schlafstörungen
Akupunktur ändert Schlafsignal - Hirnströme durch Elektroakupunktur unterdrückt
Die Möglichkeiten traditioneller Therapien sind nicht annähernd ausgeschöpft, wie amerikanische Ärzte zeigen. Am Beispiel spezieller Hirnströme beschreiben sie einen Teil der komplexen Wechselwirkung zwischen Nervensystem und Akupunktur. Ein Ausblick auch auf neue Wege in der Psychotherapie?
In der Traditionell-Chinesischen Medizin (TCM) findet man zahlreiche Methoden, deren Wirksamkeit sich auch bei psychischen Erkrankungen zeigt. Seit Jahrhunderten setzt man die Nadeln erfolgreich bei Depressionen und Schlafstörungen ein. Letztere sind jedoch häufiges Zeichen vieler geistig-seelischer Erkrankungen.
Eine Methode, Wirkmechanismen anschaulich darzustellen, besteht in der Aufzeichnung akustisch evozierter Potentiale (AEP, Gehörströme), die durch Akupunkturimpulse an speziell ausgewählten Punkten verändert werden. Eine solche Modulation haben US-Forscher vor kurzem beschrieben. Das charakteristische AEP-Signal, genannt P50, hängt vom Schlafstatus ab: In Wachphase und im bekannten REM-Schlaf ist das Signal vorhanden, im Tiefschlaf nicht. Die Bezeichnung P50 geht auf die Verzögerung von 50 ms zurück, mit der das Signal typischerweise auftritt.
US-Ärzte werten Gehörströme aus
Die Forscher aus Little Rock, Arakansas, stellen fest, dass eine Oberflächenelektroakupunktur an bestimmten Hautstellen zu deutlicher Signaländerung führte. Die Forscher hatten die Gehörströme bei 80 gesunden Personen vor, während und nach der Akupunktur aufgezeichnet. Dabei waren nur Teilnehmer der Testgruppe tatsächlich akupunktiert worden, Vergleichspersonen jedoch an inaktiven Punkten (Placebo).
Die wichtigste Forderung für die Teilnahme war ein stabiler Tag-Nacht-Rhythmus, daher kamen z.B. Schichtarbeiter, müde, schläfrige und solche Personen, die vor kurzem störende Substanzen eingenommen hatten, nicht als Testpersonen in Frage oder wurden ausgeschlossen.
In mehreren Sitzungen erhielten die Teilnehmer die Akupunkturimpulse mit verschiedenen Frequenzen. Gleichzeitig lösten die Forscher Gehörströme aus, indem sie per Kopfhörer kurze Klicklaute anboten. Wie bei einem Elektroenzephalogramm (EEG) leiteten die Forscher die so entstandenen Ströme ab und registrierten sie.
Das Optimum: beidseitige Akupunkturreize
Die Hauptergebnisse: Elektrische Oberflächenakupunktur an drei speziell ausgewählten Hautstellen senkte den Ausschlag des P50-Signals deutlich gegenüber derselben Stimulation an den unwirksamen Kontrollpunkten. Die Forscher ermittelten als optimale Reizfrequenz 5 Hz (Niederfrequenz), wobei die zweiseitige Akupunktur deutlich stärker wirkte als die einseitige.
Noch bevor die Autoren ihre Ergebnisse zusammenfassen, gehen sie auf die Grundlagen der Elektroakupunktur ein. Man könne, so die Forscher, das beschriebene Vorgehen auch als elektrische Nervenstimulation auffassen, da Oberflächenelektroden über spezifischen Nervenpunkten plaziert waren. Der Vorzug gegenüber traditionellen Akupunkturnadeln: höhere Standardisierung, bessere Wiederholbarkeit und einfachere Vergleiche.
Abschließend besprechen die Forscher die Funktion der Methode, soweit sie derzeit bereits bekannt ist, und erörtern die Bedeutung für Klinik und Praxis.
Großes Potential in der Psychotherapie
Schon heute ist die Bedeutung der Akupunktur für die Psychotherapie und besonders von Schlafstörungen nicht mehr zu verkennen, und sie wird in Zukunft weiter ansteigen, glauben die Autoren. Sie heben die Zusammenhänge zwischen Gehör- und Körpersignalen hervor, denn gerade hier liege der Bezug zum Schmerzmanagement. Aus den Daten schließen die Forscher, die Elektroakupunktur habe zudem ein weit größeres Potential, bei Schlaf-, Aufmerksamkeits- und Angststörungen eingesetzt zu werden, als bislang angenommen wurde. Sie sprechen sich dafür aus, die Methode an Patienten mit solchen Problemen eingehend zu untersuchen.
Dazu meint Dr. Bernd Ramme, Pressesprecher der Deutschen Akademie für Akupunktur und Aurikulomedizin (DAAAM): "Die steigende Akzeptanz der Akupunktur in der Psychotherapie kann ich bestätigen, und natürlich begrüße ich das. Da besteht derzeit noch Nachholbedarf, denn die Wechselwirkung zwischen Akupunktur und ZNS ist sehr komplex. Doch allein die vielen Tabletten, die sich einsparen lassen und den Körper nicht mehr belasten, machen deutlich, dass der Gang zum Akupunkturarzt mit Sicherheit kein Fehler sein wird."
Publisher: DAAAM




