Krebs
Krebs: Schmerzen mit Akupunktur lindern
Herkömmliche Medikamente haben oftmals nur einen unzureichenden Effekt auf die Schmerzen von Krebspatienten. Damit sind Schmerzen eines der wichtigsten Symptome, die das körperliche und seelische Wohlbefinden der Patienten zusätzlich negativ beeinträchtigen. Nach einer aktuellen französischen Studie können diese Schmerzen jedoch effektiv durch Ohr-Akupunktur gelindert werden.
Krebs ist dank der modernen Medizin in vielen Fällen heilbar, wenn er rechtzeitig entdeckt wird. Doch viele Patienten leiden nach der erfolgreichen Behandlung des Tumors unter starken Schmerzen, die auch chronisch werden können. Das Tückische darin ist, dass es sich häufig um eine Art von Schmerzen handelt, die mit herkömmlichen Medikamenten nur schlecht zu behandeln sind: so genannte neuropathische Schmerzen. Diese beeinträchtigen in besonderer Weise das psychische und physische Wohlbefinden der Betroffenen. Diesen Patienten kann sehr gut mit Akupunktur geholfen werden. Denn dort, wo Medikamente versagen, erzielt sie deutliche Erfolge, wie eine Arbeit französischer Wissenschaftler nun belegt. "Dies ist eine hochinteressante und wichtige Arbeit", unterstreicht Dr. Beate Strittmatter von der Deutschen Akademie für Akupunktur und Aurikulomedizin e.V. (DAAAM) die Bedeutung dieser Arbeit.
Die Therapie ist individuell
Die Studienteilnehmer erhielten innerhalb von zwei Monaten zwei Akupunkturbehandlungen. Dabei wurde zunächst überprüft, welche individuellen Punkte im Ohr für die Behandlung eines jeweiligen Patienten in Frage kamen. Anschließend wurden kleine Nadeln gesetzt (3,4 mm lang und etwa 0,7 mm dick), die im Ohr verblieben, um dort ihre Wirkung zu entfalten. Eine Sitzung dauerte dabei eine knappe dreiviertel Stunde. Nach einem und nach zwei Monaten wurden die Patienten untersucht und die Schmerzintensität mit Hilfe einer visuellen Analog-Skala bestimmt. Dabei geben die Patienten auf einer Skala von 0 bis 100 mm an, wie stark ihre Schmerzen sind.
Schmerzintensität sinkt um 36%
Bereits nach der ersten Behandlung nahm die Schmerzintensität deutlich ab. Zwei Monate nach der Akupunkturbehandlung ließ die Stärke der Schmerzen um über ein Drittel (36%) nach. Die Menge der benötigten Medikamente veränderte sich hingegen kaum. Lediglich zwei Patienten aus der Akupunkturgruppe konnten innerhalb der ersten 30 Tage ihre Dosis reduzieren. Dr. Bernd Ramme von der Deutschen Akademie für Akupunktur und Aurikulomedizin e.V. hat jedoch andere Erfahrungen in der Praxis gemacht. "Vor allem die Angst der Patienten vor einem Rückkehren der Schmerzen lässt sie an der Medikamentdosis festhalten.2 Er empfiehlt daher die zusätzliche Nadelung von psychischen Punkten und eine aktive Absprache mit dem Patienten, das betreffende Medikament ausschleichend abzusetzen. "Das klappt ganz gut und daher steht meine Erfahrung im Widerspruch zu diesem Ergebnis der Studie."
"Die geringen Kosten dieser Behandlung, die einfache und nahezu schmerzfreie Anwendung sowie der deutliche Erfolg der Ohrakupunktur sprechen für diese Methode. Sie sollte daher stärker beim Schmerzmanagement von Krebspatienten berücksichtigt werden", fordert Dr. Bernd Ramme von der DAAAM.
Quelle: Alimi D. et al.: Analgesic Effect of Auricular Acupuncture for Cancer Pain: An Randomized, Blinded, Controlled Trial. Journal of Clinical Oncology, 2003; 21(22):4120-4126.




