Entzündungen
Alternativen bei Darmentzündung
Ärzte in der Schweiz befragten vor kurzem Patienten mit chronischen Darmerkrankungen zu deren Sicht auf komplementär-medizinische Methoden. Ergebnis: 47% nutzen CAM, darunter Homöopathie, Traditionell-Chinesische Medizin und Akupunktur.
Auch in der Schweiz hat die Komplementär- und Alternativmedizin (CAM) längst Einzug gehalten. Wie andernorts zeigen sich Patienten mit chronischen Erkrankungen gegenüber Alternativtherapien besonders aufgeschlossen. Dies gilt auch für Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED).
Die häufigsten: M. Crohn und die geschwürige Dickdarmentzündung (Colitis ulcerosa). Während ersterer begrenzt im Dünndarmende auftritt und dabei alle Wandschichten des Darmes betrifft, schreitet letztere kontinuierlich voran. Die Geschwüre (Ulzera), die der Erkrankung den Namen geben, liegen oberflächlich in der Schleimhaut des gesamten Dickdarmes.
Arzneimix (allein) nicht wirksam genug
Der Schulmedizin stehen zwar zahlreiche Mittel zur Verfügung, doch diese rufen bei einem Großteil der Betroffenen erhebliche Nebenwirkungen hervor. Daher zeigen sich besonders diese Patienten für Alternativen offen.
In Zusammenarbeit mit der Universität Bern haben Ärzte am Inselspital einen Fragebogen entwickelt und mit diesem die Verbreitung, Akzeptanz und Nutzung gängiger CAM-Techniken unter ambulanten CED-Patienten untersucht. In die eigentliche Erhebung waren ferner zwei Magen-Darm-Schwerpunktpraxen in der Kleinstadt Olten eingeschlossen.
An insgesamt 204 Patienten, deren Diagnose seit mindestens 12 Monaten gesichert war, hatten die Forscher Fragebögen verschickt. Fragen: u.a. der Gesundheitszustand, die allgemeine Einstellung zur CAM, sowie zu 16 aufgeführten CAM-Verfahren, die Gründe für das Interesse an der CAM, die Effektivität der bislang genutzten Methoden, der Erkrankungsverlauf.
Junge setzen zügiger auf Alternativen
71% der Patienten hatten die Fragen beantwortet. Das Alter der Befragten lag zwischen 21 und 40 Jahren. Ein großer Teil der Befragten (47%, davon mehr als die Hälfte Frauen) gab an, bereits CAM-Techniken genutzt zu haben. 75% hielten die CAM für eine sinnvolle Ergänzung zur Schulmedizin, die Hälfte meinte, CAM könnte nicht schaden, 45% setzten auf CAM, um Nebenwirkungen der Basistherapie zu mindern. Unzufrieden mit der Schulmedizin zeigten sich 27%, nur 5 Patienten mißtrauten ihr.
Interessant ist der Informationsfluss: 81% der Befragten hatten ihre Kenntnisse über die CAM innerhalb der Familie erworben, 27% über die Medien und nur 6% waren von ihren Ärzten ins Bild gesetzt worden. Die Daten zeigen, dass junge Patienten eher, innerhalb der ersten zwei Jahre nach der Diagnosestellung, mit CAM-Therapien begonnen hatten. Bei älteren Patienten dehnt sich der Zeitraum des CAM-Beginns auf zehn Jahre aus.
Langzeiteffektivität bei zwei Dritteln
61% der Patienten nutzten mehrere der insgesamt 16 genannten CAM-Methoden. Auf die Homöopathie folgten TCM und Akupunktur, die die Forscher nicht weiter gegliedert hatten, Ernährungstherapie, Bioresonanz, Anthroposophie und Pflanzentherapie. Einen Langzeiteffekt hatten die Forscher bei 67% der Befragten entdeckt, andererseits war es bei mehr als 10% der Patienten unter der Therapie zu einem erneuten Krankheitsschub gekommen.
Für die Befragten ermittelten die Autoren eine CAM-Nutzung von 47%, die national wie international klar über dem Durchschnitt lag. Anschließend vergleichen die Autoren ihre Ergebnisse mit denen anderer Forscher und erörtern u.a. die überdurchschnittlich hohe CAM-Quote unter den Befragten. Zum einen sei die CAM auch in der Öffentlichkeit der Schweiz stetig auf dem Vormarsch, zum anderen schaffen chronisch verlaufende Darmleiden ein enormes Bedürfnis, die Symptome ständig und aktiv zu bessern. Die Autoren betonen abschließend, dass für eine Bewertung der einzelnen Techniken größere Patientenzahlen befragt werden müssten.
"Das kennen wir in Deutschland auch", meint dazu Dr. Bernd Ramme, Pressesprecher der Deutschen Akademie für Akupunktur und Aurikulomedizin (DAAAM). "Die Nachfrage ist dort am größten, wo die konventionelle Medizin an ihre Grenzen stößt und die Patienten nicht mehr begleiten kann. Diese fühlen sich allein gelassen, sind verunsichert und suchen Alternativen. Mit Mode und Trend, wie es immer wieder mal heißt, hat das nichts zu tun. Das ginge bei einer Jahrtausende alten Technik wie z.B. der Akupunktur ja gar nicht!"
Publisher: DAAAM
Quelle: Ausfeld-Hafter B et al: Stellenwert der Komplementärmedizin bei M.-Crohn- und Colitis-ulcerosa-Patienten: Eine Fragebogenerhebung. Forsch Kompl Klass Naturheil 2005;12:134-8.




