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Entzündungen

Akupunktur bei wiederkehrenden Harnwegsinfektionen

Harnwegsinfektionen sind bei Frauen sehr weit verbreitet: Immerhin jede Zweite erkrankt einmal im Leben daran und häufig treten die bakteriellen Infekte immer wieder auf. Der Grund ist im Körperbau zu suchen: Beim weiblichen Geschlecht liegt eine kurze Harnröhre in unmittelbarer Nähe zur einer bakteriell besiedelten Analregion. Nach einer aktuellen Studie kann einem Teil der Betroffenen die Akupunktur helfen.

Viele Frauen kennen das Problem: Sie müssen plötzlich häufig auf Toilette, haben Schmerzen beim Wasserlassen, der Urin ist trübe und zum Teil treten sogar Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl auf. Dann haben sie eine bakterielle Infektion, von der neben den unteren Harnwegen und der Blase auch die Niere betroffen sein kann. Die Behandlung besteht in der Regel aus Wärme, ausreichender Flüssigkeitszufuhr und/oder einer kurzzeitigen Antibiotika-Therapie.

Insbesondere für eine Untergruppe der Patientinnen scheint allerdings die Akupunktur eine effektive und nebenwirkungsarme Alternative zu sein. Das ergab zumindest die Studie von zwei norwegischen Medizinern, die seit mehr als 15 Jahren Erfahrungen mit der Akupunktur haben. "Eine derartige Alternative zur Antibiotika-Therapie bei wiederkehrenden Infektionen der unteren Harnwege wäre wegen der guten Verträglichkeit und der Vermeidung von Resistenzentwicklungen sehr zu begrüßen", betonen Experten der Deutschen Akademie für Akupunktur und Aurikulomedizin e.V.

Drei TCM-Hauptdiagnosen bei Harnwegsinfektionen

In der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) spielt die Bezeichnung Qi eine wichtige Rolle. Sie beinhaltet viele verschiedene Aspekte und wird oft mit "Energie" oder "Lebensenergie" übersetzt. Qi-Disharmonien wiederum sind Krankheitsbilder, die auf ein unharmonisches Funktionieren von Qi zurückzuführen sind: Zu ihnen gehören der Qi-Mangel (allgemeine Schwäche und Unlust) und die Qi-Stagnation (Beeinträchtigung der Bewegung des Qi). Diese Disharmonien können in verschiedenen inneren Organen auftreten, denen spezielle Funktionen (Zang Fu) zugeschrieben werden: beispielsweise in Niere, Milz oder Lunge.

Nach älteren Untersuchungen der norwegischen Akupunkturärzte haben Frauen, die wiederholt an Harwegsinfektionen erkranken, nach der traditionellen chinesischen Medizin häufig eine der drei folgenden Diagnosen: Niere Yang-Mangel, Milz Qi-Mangel oder Leber Qi-Stagnation. Eine Behandlung dieser Disharmonien mittels Akupunktur wirkt demnach - anders als Antibiotika - womöglich nicht nur gegen die akute Infektion, sondern gegen die "Wurzel des Übels".

Gute Ergebnisse bei Niere Yang-Mangel

Um den möglichen Erfolg dieses Behandlungsansatzes ermitteln zu können, haben die Autoren ansonsten gesunde Frauen gesucht, die im vorangegangenen Jahr dreimal oder öfter Symptome einer Infektion der unteren Harnwege hatten. Nach dem Zufallsprinzip erhielten 67 Frauen eine Akupunktur, die übrigen 27 wurden nicht therapiert. Die Behandlung erfolgte über einen Zeitraum von vier Wochen zweimal wöchentlich für wenigstens 20 und höchstens 30 Minuten.

Von den behandelten Frauen wiesen 18 die TCM-Diagnose Niere Yang-Mangel, 22 Milz Qi-Mangel und 18 Leber Qi-Stagnation auf. Innerhalb von sechs Monaten blieben die Frauen in der Niere-Gruppe signifikant häufiger frei von Infektionen (78%) als die Patientinnen aus der Milz- (45%) oder Leber-Gruppe (44%). Von den Frauen, die nicht behandelt wurden, erkrankten nur 17% nicht wieder. Bei ihnen traten insgesamt sechsmal häufiger Harnwegsinfektionen auf als in der Niere-Gruppe.

Des Weiteren ermittelten die Mediziner den Restharn (Harnmenge in der Blase nach dem Wasserlassen), weil eine unvollständige Blasenentleerung das Risiko für Infektionen erhöht. Er ließ sich in allen Akupunktur-Gruppen stärker senken als in der Kontroll-Gruppe - am ausgeprägtesten war der Effekt wieder in der Niere-Gruppe. In der Milz-Gruppe kam es nach zwei Monaten vorrübergehend zu einem Anstieg der Restharnmenge. Diese nahm im Laufe der weiteren Behandlung ab und erreichte Werte unterhalb des Ausgangswertes.

Akupunktur nur bei Nieren Yang-Mangel sinnvoll?

Basierend auf diesen Ergebnissen sollte die Akupunktur bei Frauen mit Harnwegsinfektionen in Abhängigkeit von der Diagnose nach der traditionellen chinesischen Medizin erfolgen. Die Autoren gehen davon aus, dass die Behandlung sinnvoll ist, wenn die Frauen die Diagnose Niere Qi/Yang Xu aufweisen. Die Niere sei wie ein Tor, das den Wasserfluss des Körpers reguliere, so ihre Erklärung.

Nach Ansicht von Dr. Ramme ist eine gut durchgeführte Akupunktur aber auch bei den TCM-Diagnosen Milz Qi-Mangel und Leber Qi-Stagnation sinnvoll. "Eine gut durchgeführte Akupunktur vermag sowohl eine Leber Qi-Stagnation als auch einen Milz Qi-Mangel aufzulösen- allerdings können Störherde und falsche Ernährung den Erfolg der Akupunktur gefährden."

Quellen: Innere Medizin, Hrsg: Herold, Ausgabe 2003; Alraek T, Baerheim A. The effect of prophylactic acupuncture treatment in women with recurrent cystitis: kidney patients fare better. J Altern Complement Med. 2003;9(5):651-8.


Autor: Springer Medizin
Stand: Jan 12, 2004


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