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Alternativen bei Darmleiden

Chronische Darmerkrankungen – Sache für Alternativmediziner?

Nahezu jeder von uns kennt Menschen mit Darmerkrankungen. Da Arzneimittel oft problematisch sind, setzen Patienten zunehmend auf Alternativen.

Britische Ärzte sichteten die aktuelle Forschungsliteratur und beschreiben, welche erfolgreichen CAM-Methoden zur Verfügung stehen.
Das Spektrum der Komplementär- und Alternativmedizin (CAM) bietet vielfältige Techniken. Traditionelle Anwendungen wie Akupunktur und Ayurveda gehören ebenso dazu wie die moderne Reflexlehre, Pflanzen- und Aromatherapie. Besonders die Orientierung an der Natur und der holistische Ansatz der CAM stützen und beschleunigen deren anhaltenden Erfolg. Wenngleich zur Zeit Unmengen von Studienmaterial vorliegt, fällt doch noch immer ein deutlicher Rückstand zur konventionellen Medizin auf, der v.a. Forschung und Lehre betrifft.

Dies gilt auch für die Anwendung bei Erkrankungen des Verdauungstrakts, von denen der Reizdarm (Colon irritabile) derzeit den Löwenanteil stellt. Dabei reagieren Darmabschnitte auf bestimmte Auslöser mit starken Schmerzen. Frauen zwischen 30 und 50 sind besonders häufig betroffen. Die meistens dumpfen, stechenden oder brennenden Bauchschmerzen können bis in den Analkanal ausstrahlen. Blähungen, Übelkeit, Erbrechen, Globusgefühl und Stuhldrang, ferner Kopfschmerzen und Scheidenkrämpfe treten häufig hinzu. Als Auslöser gelten heute Stress, mechanischer Druck und die Einnahme von Mahlzeiten

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Reizdarm – eine häufige Erkrankung

Doch auch ernstere chronische Darmentzündungen wie die bekannte ulzeröse Kolitis und der Morbus Crohn (Enteritis [Ileitis] terminalis) stehen dem Reizdarm zur Seite. Das chronische und wiederholte Auftreten ihrer vielfältigen Symptome führt viele Betroffene zu Ärzten, die sich auf CAM-Methoden spezialisiert haben. So hatten deutsche Forscher im vergangenen Jahr berichtet, dass bereits 51% der Darmpatienten über CAM-Erfahrungen verfügten. Zur Nutzung der CAM entschlossen sie sich v.a. wegen der nur mäßigen Kontrolle der üblichen Standardtherapie mit Entzündungshemmern wie Kortison. Vor kurzem haben britische Mediziner die aktuellen Forschungsdaten zu CAM-Therapien bei Darmleiden ausgewertet.

Die Forscher beschreiben detailliert die häufigsten Maßnahmen, die bei Darmleiden Anwendung finden. An erster Stelle steht die facettenreiche Therapie mit pflanzlichen Präparaten (Phytotherapie), von denen viele zur Traditionellen Chinesischen Medizin gehören. So erwiesen sich in einer Kontrollstudie Einläufe mit Wurzel- und Blütenpräparaten des in Asien lebenden Schnurbaums (Sophora flavescens) als deutlich wirksamer im Vergleich mit Aminosalizylsäure und Prednisolon (53 gegen 19%). Zu ähnlichen Besserungen hatten andere traditionelle Wirkstoffe geführt, darunter solche aus der bekannten Aloe vera.

Baumharz und Curry gegen Darmsymptome

Auch Anwendungen aus dem alten Indien (Ayurveda) bringen erstaunliche Erfolge. Bereits 1997 hatten Präparate aus dem Harz des Weihrauchbaums (Boswellia serrata) zu deutlich größeren Besserungen geführt als das konventionelle Schmerzmittel Sulfasalazin (82 gegen 75%), 2001 konnten dieselben Forscher dieses Ergebnis wiederholen.
Auch zur Therapie eines Morbus-Crohn-Schubs zeigten sich Extrakte aus dem Weihrauchbaumharz als sehr wirksam: Deutsche Forscher hatten 102 Betroffene behandelt und festgestellt, dass das natürliche Präparat neben seinen eigentlichen Effekten auch problemlos vertragen worden war (Vergleichsmittel Mesalazin). Auch das Curcumin, ein Inhaltsstoff des Curry (Curcuma longa), wirkt offenbar entzündungshemmend auf die Darmschleimhaut, wie Studienergebnisse vermuten lassen.

China-Nadeln für Darmpatienten

Zu den häufigsten CAM-Techniken, die bei Darmleiden zum Einsatz kommen, zählt neben der Phytotherapie die Akupunktur – und das mit gutem Grund. Die Autoren stießen u.a. auf eine interessante Arbeit, in der 51 Crohn-Patienten genadelt worden waren. Die Akupunktur reduzierte nicht nur die Schmerzen, sondern besserte die per Fragebogen überwachte Lebensqualität deutlicher als es in der Vergleichsgruppe (87 gegen 39 Punkte) der Fall war. Eine Studie aus China kam zu dem Schluss, Akupunktur sei bei ulzeröser Kolitis ebenso wirksam wie die Therapien der konventionellen Medizin.

Die Autoren diskutieren ferner Ursachen für die noch immer sichtbare Zurückhaltung vieler 'Schulmediziner' gegenüber alternativmedizinischen Auffassungen und Methoden. Sie sehen v.a. dort ein Akzeptanzproblem, wo heute noch Lecks in der strikt naturwissenschaftlich geforderten Beweisführung für die Wirksamkeit der Methoden klaffen.

Nebenwirkungen auch bei CAM-Techniken

Keineswegs ist es einfach zu bestimmen und abzuschätzen, welche Einzelwirkung auf welche CAM-Ursache zurückzuführen ist, betonen die Forscher. In Pflanzenextrakten z.B. steckt eine riesige Anzahl verschiedenster Substanzen, von denen einige wiederum biologisch aktiv sind. Diese Stoffe können z.B. Zellreaktionen stoppen, Nervensignale ändern, Bakterien töten und Krämpfe lösen. Dies kann sich jedoch auch im Sinne unerwünschter Wirkungen zeigen. Ausführlich gehen die Autoren auf die heute bekannten Mechanismen physikalischer Anwendungen ein, diskutieren den immer wieder strapazierten Placeboeffekt und widmen sich möglichen Nebenwirkungen, von denen auch die CAM – wie gesagt – nicht frei ist.

"Dass mehr als die Hälfte der Patienten mit Magen-Darm-Störungen alternativmedizinische Erfahrungen haben, hören wir gern", meint dazu Prof. Dr. Frank Bahr, Ehrenmitglied der Deutschen Akademie für Ganzheitliche Schmertherapie (DAGST). Es zeige, so Bahr weiter, "dass unsere Arbeit Früchte trägt. Und an den in der vorliegenden Arbeit genannten Lecks werden wir weiter intensiv arbeiten – so, wie wir es bisher auch getan haben. Nur Schritt für Schritt lässt sich der Vorsprung der konventionellen Medizin verringern."


Quelle: Langmead L, Rampton DS: Complementary and alternative therapies for inflammatory bowel disease. Aliment Pharmacol Ther 2006;23,341–9.
Autor: Springer Medizin
Stand: Sep 21, 2006


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