
Chronische Krankheiten
Heuschnupfen lindern mit Akupunktur und Heilkräutern
Ständiges Niesen, rote Augen und eine triefende oder verstopfte Nase - alle Jahre wieder: Heuschnupfen! Was die Experten "saisonale allergische Rhinitis" nennen, betrifft mittlerweile zehn bis zwanzig Prozent der Bevölkerung in den westlichen Industrieländern. Die Behandlung dieser chronischen Erkrankung kostet allein in Europa jährlich ein bis zwei Milliarden Euro. Auf der Suche nach Alternativen zur herkömmlichen Therapie vertrauen immer mehr Menschen den Methoden der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM).
Heilmethoden der Alternativ- und Komplementärmedizin liegen seit einigen Jahren zunehmend im Trend. Besonders zur Behandlung von Allergien und chronischen Schmerzen werden traditionelle chinesische Verfahren mittlerweile auch in den westlichen Ländern geschätzt. Seit Jahrtausenden setzen die Chinesen die Akupunktur gemeinsam mit pflanzlichen Arzneien als Heilmethode ein. Obwohl diese Methoden in China weithin anerkannt sind, bestehen in den westlichen Ländern weiterhin Zweifel: Noch immer gibt es wenige anerkannte Studien, die ihre Effizienz nach naturwissenschaftlichen Maßstäben bestätigen. Aus diesem Grund überprüften deutsche Wissenschaftler nun die Wirksamkeit einer Kombinationstherapie, bestehend aus Akupunktur und der Anwendung chinesischer Heilkräuter, zur Behandlung von Patienten mit Heuschnupfen.
Chinesische Tradition auf dem Prüfstand der westlichen Medizin
An der Studie, die jetzt im anerkannten Fachjournal "Allergy" veröffentlicht wurde, beteiligten sich insgesamt 52 Patienten. Alle litten - nach klinischer Diagnose und Allergietest - unter allergischer Rhinitis (AR) mit leichten bis mittelstarken Symptomen. Die Patienten waren zwischen 20 und 58 Jahre alt, 26 Männer und 26 Frauen. Voraussetzung war, dass die Teilnehmer während der Versuchsphase keinerlei andere Behandlungen erhielten, die das Immunsystem beeinflussten. Sonstige Medikamente zur Linderung der Heuschnupfen-Symptome durften sie auch während der Studie benutzen, die Einnahme wurde dann protokolliert.
Zunächst wurden alle Probanden in einer einwöchigen Eingangsphase gründlich untersucht. Dann teilte man die Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen ein: Eine der beiden Gruppen erhielt in den folgenden sechs Wochen eine Behandlung gemäß TCM. Dazu gehörte Akupunktur und die regelmäßige Einnahme bestimmter pflanzlicher Arzneien. Um spätere Testergebnisse adäquat vergleichen zu können, erhielt die andere Gruppe (Placebogruppe) zur Kontrolle die gleiche Behandlung - ohne dies zu wissen - nur scheinbar: Die Akupunkturnadeln wurde an unwirksamen Akupunkturpunkten ganz oberflächlich durchgeführt und die verwendeten Pflanzenextrakte entsprachen keiner speziellen Rezeptur, sondern entstammten einer "bunten Kräutermischung".
Akupunktur vom Profi
Die Behandlungen der Studienteilnehmer verliefen über sechs Wochen. Jede Woche - also im Ganzen sechs Mal - wurden die Patienten akupunktiert. Die Akupunktur führte ein geschulter Akupunkturarzt mit mehrjähriger Erfahrung durch. Eine Sitzung dauerte jeweils 20 Minuten.
Die Heilkräuter-Therapie erfolgte nach speziellen Rezepten gemäß TCM: Die Probanden erhielten eine Zusammenstellung bestimmter chinesischer Kräuter. Entsprechend der Kochanleitung bereiteten sie sich daraus zu Hause einen Sud. Aufgegossen mit heißem Wasser, wurde dieser als Tee dreimal täglich eingenommen.
Zur Verfügung standen insgesamt fünf standardisierte Therapievarianten mit jeweils verschiedenen Akupunkturpunkten und Heilpflanzen. Die Auswahl traf der behandelnde Arzt nach individueller Diagnose.
Nachweis gelungen: TCM hilft gegen Heuschnupfen
Nach Abschluss der Kombinationstherapie wurden sämtliche gesammelten Daten analysiert und die TCM-Behandlungsgruppe mit der Placebogruppe verglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass sich der Heuschnupfen in der TCM-Gruppe insgesamt, verglichen mit der Placebogruppe, erheblich gebessert hatte. Zwar berichteten auch die Patienten der Placebogruppe über eine Besserung der Beschwerden, jedoch nur halb so häufig wie die TCM-Gruppe. Außerdem hatte sich das Allgemeinbefinden der Studienteilnehmer, die mit "echter" TCM behandelt worden waren, in 85 Prozent der Fälle verbessert - in der Kontrollgruppe betraf das nur 40 Prozent. Auch die Lebensqualität, gerade was das emotionale Wohlbefinden betraf, war in der TCM-Gruppe gestiegen. Gleichzeitig sank zudem die Medikamenteneinnahme.
Keine deutlichen Unterschiede zur Placebogruppe ergaben sich nach Auswertung der täglich auszufüllenden Fragebögen in Bezug auf die einzelnen Heuschnupfen-Symptome. Die Forscher vermuten, dass das aufwendige Ausfüllen der Bögen an diesem undeutlichen Ergebnis Schuld sein könnte - die Studienteilnehmer waren möglicherweise schlichtweg überfordert.
Insgesamt verdeutlicht die Studie jedoch, dass traditionelle chinesische Therapieformen - auch gemessen an westlichen Standards - sehr wohl wirksam sind gegen saisonal auftretenden Heuschnupfen. Eine wichtige Rolle spielt dabei der durchführende Akupunkturarzt. "Die Akupunkturnadel in der Hand des Arztes birgt ein enormes Potenzial", betont auch Dr. Bernd Ramme von der Deutschen Akademie für Akupunktur und Aurikulomedizin (DAAAM). "Mit ihrer Hilfe können wir die Beschwerden vieler Menschen wesentlich verringern, ohne zusätzliche Medikamente einzusetzen zu müssen."





