Akupunktur während der Schwangerschaft
Schmerzlinderung wirkungsvoll und nebenwirkungsarm
Vielen Frauen geht es während der Schwangerschaft besser als je zuvor. Anderen machen die Veränderungen, die der Körper in dieser Zeit durchläuft, zu schaffen. Bis zu drei Viertel aller Frauen klagen über Unterleibs- oder Rückenschmerzen, die im Verlauf der neun Monate oft an Dauer und Intensität zunehmen. Diese Beschwerden bleiben jedoch oft unbehandelt, da die Frauen oder auch die Ärzte eine medikamentöse Therapie zum Schutz des ungeborenen Lebens ablehnen. Aber es gibt auch eine schonende und nebenwirkungsarme Behandlung von Schwangerschaftsbeschwerden - Akupunktur. Schwedische Forscher haben nun in einer aktuellen Untersuchung Wirkung und Sicherheit der Akupunktur bei werdenden Müttern getestet.
An der Studie nahmen insgesamt 72 Frauen teil, die im letzten Schwangerschaftsdrittel unter anhaltenden Unterleibs- und Rückenschmerzen litten. Diese stellten ein so großes Problem für die Betroffenen dar, dass sie ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mussten. Die Patientinnen wurden nach dem Zufallsprinzip zwei Gruppen zugeteilt: Die einen erhielten bis zur Geburt einmal pro Woche eine Akupunktursitzung, bei der ausgewählte Akupunkturpunkte durch Nadelung stimuliert wurden. Die anderen Frauen wurden einer Kontrollgruppe zugeordnet.
Die Frauen mussten ihr individuelles Schmerzempfinden anhand einer so genannten visuellen analogen Schmerzskala bewerten, in deren Gebrauch sie zuvor unterrichtet worden waren. Außerdem sollte die Schmerzintensität bei bestimmten körperlichen Aktivitäten wie Aufstehen, Laufen und Arbeiten eingeschätzt werden. Nach jeder Akupunktursitzung dokumentierte die betreuende Hebamme die stimulierten Punkte und eventuell auftretende Nebenwirkungen. Daten zum späteren Geburtsverlauf und zum Zustand des Neugeborenen wurden ebenfalls erfasst.
Akupunktur reduziert die Schmerzen
Bei sechs von zehn Teilnehmerinnen konnten die Schmerzen durch die Akupunkturbehandlung reduziert werden. In der Kontrollgruppe berichteten lediglich ein bis zwei von zehn Teilnehmern über eine Schmerzlinderung. Auch die verschiedenen körperlichen Tätigkeiten wurden von den Teilnehmerinnen nach Akupunktur als wesentlich schmerzfreier empfunden.
Gravierende oder unerwartete Nebenwirkungen traten nicht auf. Besonders wichtig: Auf den Gesundheitszustand der Neugeborenen hatte die alternative Heilmethode keinerlei negative Auswirkungen.
Kaum zusätzliche Therapie nach Akupunktur
Aus der Kontrollgruppe griffen fünf Frauen auf schmerzstillende Medikamente (Analgetika) zurück. Anderweitige Schmerzbehandlungen wie transkutane elektrische Nervenstimulation und Physiotherapie wurden dort wesentlich öfter notwendig als bei den Frauen der Akupunktur-Gruppe. Ohne diese Maßnahmen wäre die Überlegenheit der Akupunktur im Endergebnis wahrscheinlich noch stärker ausgeprägt gewesen, schätzen die Autoren. Dabei ist auch die besonders schonende Art und Weise, in der die Akupunktur zur Anwendung kam, zu berücksichtigen.
Besondere Bedeutung für das Studiendesign - und die tägliche Praxis - hat dabei die professionelle Betreuung der Schwangeren durch erfahrene Gynäkologen und Hebammen. Denn im Zusammenspiel der Erfahrungen und Kompetenzen können die gewünschten Wirkungen am besten genutzt und die unerwünschten vermieden werden. Dieser Ansicht ist auch Dr. Beate Strittmatter von der Deutschen Akademie für Akupunktur und Aurikulomedizin (DAAAM). "Gerade die in der Schwangerschaft auftretenden Beschwerden sollten auf eine schonende Art und Weise behandelt werden. Dazu ist die Akupunktur eine optimale Methode", unterstreicht Strittmatter.
(DAAAM)
Quelle: Kvorning N et al.: Acupuncture relieves pelvic and low-back pain in late pregnancy. Acta Obstetricia et Gynecologica Scandinavica 2004; 83: 246-50




