Kinder
Akupunktur hilft Kindern bei Chemotherapie
Bekannt ist, dass Chemotherapien gerade bei Kindern oft starke Nebenwirkungen haben, die gerade Kinder physisch und psychisch sehr belasten können. Die häufigsten Probleme sind Übelkeit und Erbrechen. Kinderonkologen untersuchten jetzt, ob eine Akupunkturbehandlung Chemotherapien bei Kindern wirksam unterstützen kann.
Moderne Antibrechmittel (Antiemetika) sind zwar hoch wirksam, doch haben sie selbst oft eigene Nebenwirkungen, wie etwa Schläfrigkeit und psychische Verstimmungen. Neuere Fakten lassen zudem vermuten, die Wirkmechanismen mancher Antibrechmittel könnten die eigentlichen Chemotherapie negativ beeinflussen. Folglich suchen Forscher nach Begleittherapien, die keine Nebenwirkungen haben und definitiv nicht das Anti-Tumor-Geschehen stören. Die Akupunktur ist eine solche Möglichkeit.
Pilotstudie: Nadeln begleiten an Krebs leidende Kinder
Viele Krebsspezialisten beziehen Akupunktur als medikamentenfreies Begleitkonzept in ihre Chemotherapien ein. Studien bei Erwachsenen haben gezeigt, dass Kombitherapien aus Nadeln und Antiemetika sehr erfolgreich sind. Besonders Elektrostimulationen und manuelle Reizungen können die notwendige Medikamentendosis deutlich senken.
Da für Chemotherapien bei Kindern vergleichbare Fakten bislang fehlten, lief an deutschen Krebszentren eine Pilotstudie, an der 11 junge Krebspatienten teilgenommen haben. Dabei verglichen die Forscher den alleinigen Einsatz von Antibrechmitteln mit einer Kombination aus den Medikamenten und Akupunktur - beide als Begleitkonzept der Chemotherapie.
Antibrechmittel allein oder plus Akupunktur
Täglich notierten die Kinder ihren Medikamentenverbrauch, die Phasen des Erbrechens und ihr Körpergewicht. Die individuelle Akupunkturtherapie hielt der jeweilige Arzt selbst fest. Zusätzlich schätzten die Patienten anhand von Vorgaben die Stärke der Übelkeit ein. Schließlich wurden sie gebeten, ihre Erfahrungen mit der Akupunkturbehandlung aufzuschreiben.
Eine sinnvolle Chemotherapie bei Kindern verlangt derzeit Krebsmittel mit starker Brechwirkung. An den Chemo-Tagen erhielten die Kinder eine vorbeugende Therapie aus drei üblichen Antibrechmitteln.
Ärzte mit langjähriger Akupunkturerfahrung boten den Kindern sowohl die klassische Nadel- als auch Laserakupunktur an. Letztere war für Kinder bestimmt, die die klassische Therapie als schmerzhaft empfanden. Die Akupunktur begann am ersten Therapietag, vorzugsweise vor Gabe der Krebsmittel, und wurde je nach Bedarf fortgesetzt. Die Nadeln wurden dabei auf einer oder auf beiden Körperseiten an die Akupunkturpunkte gebracht, und diese für etwa 20 Minuten gereizt. Die Auswahl der notwendigen Punkte oblag dem jeweiligen Akupunkteur.
Häufigste Punkte: KS 6, Ma 36 und Di4
Die Forscher verglichen insgesamt 22 Therapiezyklen miteinander. Die Patienten vertrugen die Akupunktur nahezu problemlos. Von Nadelschmerzen abgesehen, über die eines der Kinder klagte, wurden keine Nebenwirkungen verzeichnet.
Zwar zeigten sich insgesamt der Gewichtsverlust und die Übelkeit mit und ohne Akupunktur etwa gleich groß. Dennoch wurden bestimmte Vorteile der Akupunkturbehandlung festgestellt. Demnach profitieren besonders ältere Kinder von den Nadeln. Vier jugendliche Patienten (15 und 16,8 Jahre) haben erklärt, während späterer Therapiezyklen wieder auf die Akupunktur zurückgreifen zu wollen. Als Gründe haben sie neben den verminderten Nebenwirkungen der Chemotherapie (Übelkeit, Erbrechen, Schüttelfieber, Missempfindungen) eine größere geistige Beweglichkeit angeführt, zu der ihnen die Akupunktur verholfen habe.
Kliniken zögern mit Akupunktur
Die Autoren sagen, dass Ihre Daten die Vermutung stärken, Akupunktur lindere auch bei Kindern die Nebenwirkungen onkologischer Chemotherapien. Die Aussagekraft dieser Studie hätte weit größer sein können, wenn eine größere Teilnehmerzahl zustande gekommen wäre. Dies sei jedoch schwierig gewesen, erklären die Forscher, da die Akupunktur noch nicht in allen Onkologiezentren zur Verfügung stehe. Künftige Arbeiten sollten das ausreichend berücksichtigen.
Dr. Bernd Ramme, Pressesprecher der Deutschen Akademie für Akupunktur und Aurikulomedizin (DAAAM), meint dazu: "Es ist absolut richtig, dass größere Studiengruppen wünschenswert sind! Zwar haben die Kliniken im Ganzen große Fortschritte bei der Integration von komplementären Methoden erzielt, dennoch besteht ein klarer Nachholbedarf. Bei der postoperativen Schmerztherapie, und damit innerhalb der Chirurgie, gelingt schon recht gut, was sich im Rahmen der Onkologie noch als Mangel darstellt."
Quelle: Reindl TK et al: Acupuncture against chemotherapy-induced nausea and vomiting in pediatric oncology - Interim results of a multicenter crossover study. Supportive Care in Cancer, 2005, online




