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Akupunktur von Nichtmedizinern

Was ist anders?

Auch Nichtmediziner erhalten eine Lizenz zum Akupunktieren. Da stellt sich natürlich die Frage, ob Unterschiede zwischen den Therapien auftreten, die von Ärzten und Therapeuten angeboten werden.

Die Akupunktur ist auch in den USA bereits seit dem 19. Jahrhunderts etabliert. Anders als in Deutschland wird sie oft auch von Nichtmedizinern angeboten, die durch eine entsprechende Ausbildung eine Lizenz zur Akupunktur zu erworben haben. Doch auch Ärzten fast aller Bundesstaaten ist es erlaubt, eine solche Lizenz zu erwerben. Das Spektrum der verwendeten Akupunkturtechniken deckt von den Methoden des alten China bis hin zu den exakten computergesteuerten Verfahren der Moderne alles ab. Während jedoch für die Mehrheit der Nichtmediziner unter den Akupunkteuren gilt, dass sie die traditionelle Nadel bevorzugen, ist zu den Vorlieben der Ärzte kaum etwas veröffentlicht worden.

Rückenschmerz an vorderster Stelle

Forscher haben mit einer jetzt veröffentlichten Fragebogenaktion versucht, diese Lücke zu schließen und die Akupunkturpraxis von Ärzten der von Therapeuten gegenüberzustellen. Dabei stellten sie den chronischen Rückenschmerz an den Anfang ihrer Untersuchung. Denn dieses Symptom ist sowohl in Europa als auch in Amerika einer der häufigsten Anlässe überhaupt, sich nadeln zu lassen.

137 Ärzte haben die Fragen der Forscher beantwortet. En détail sammelten diese v.a. Therapiedaten, so die Art der Akupunktur, die Anzahl verwendeter Nadeln, die Quote der notwendigen Sitzungen pro Patient, die häufigsten Akupunkturpunkte. Ferner erfragten sie die bisherige Praxis und den aktuellen Ausbildungsstand des Behandlers.

Im Schnitt 60 Nadelpatienten pro Woche

Den Ergebnissen der Forscher zufolge ist der typische Akupunkturarzt männlich, in mittlerem Alter und hat eine Ausbildung von 300 bis 400 Stunden absolviert. Ferner arbeitet er 40 Wochenstunden, in denen er 60 Patienten betreut. Rund ein Drittel davon akupunktiert er. Von einer vollständigen Ausbildung in traditionell-chinesischer Medizin profitieren offenbar nur wenige Doktoren, zwei Drittel erhielten ihre Grundkenntnisse in "Akupunkturkursen für Mediziner."

Einige deutliche Unterschiede zu den im Staat Washington erhobenen Fakten über nicht medizinisch ausgebildete Therapeuten sind interessant. So erstreckt sich die Praxiserfahrung bei den Ärzten auf sieben, bei den Therapeuten auf vier Jahre. Dagegen benötigen beide Anbieter etwa sieben Sitzungen, um Patienten mit Rückenschmerzen erfolgreich zu behandeln.

Therapeuten diagnostizieren traditionell

Den Autoren zufolge entscheiden sich Ärzte häufig für spezifische wie unspezifische Diagnosen, die fester Bestandteil der westlichen Medizin sind, u.a. Bandscheibenvorfall, Rückenmarkenge und Muskelhüllenschmerz. Demgegenüber führen Therapeuten den Rückenschmerz eher auf Störungen zurück, die aus der fernöstlichen Heilkunst überliefert sind, z.B. Blut- und Qi-Stase in Leber, Milz und Niere, und Bi-Syndrom (Wind, Kälte, Feuchtigkeit).

Die Ärzte bevorzugen eher die "technischen", modernen und apparativen Akupunkturformen, darunter die Triggerpunkttherapie. Die traditionell-chinesische (klassisch manuelle) Nadelung kommt nur auf Platz 5. Die Elektrische Stimulation von Nerven über Hautelektroden (PENS) wenden Ärzte wie Therapeuten gleichermaßen an, während für letztere die klassische Nadel nach wie vor das A und O ist. Beide Anbieter nadeln v.a. Punkte auf Nieren- und Blasen-, Therapeuten auch auf dem Gallenmeridian. Bei Rückenschmerzen scheinen die Meridiane von Herz, Leber, Milz und Magen nur vereinzelte Anhänger zu finden

Pharmaka bleiben nicht außen vor

Die große Mehrheit der Akupunkturärzte setzt gegen Rückenschmerzen jedoch auch klassische Medikamente ein. Den Forschern folgend, verordnet eine klare Mehrheit der Ärzte mindestens gelegentlich verschiedene Entzündungshemmer, kaum weniger greifen auch auf Morphine, Krampflöser, Antidepressiva und Epilepsie-Mittel zurück. Ferner versuchen fast alle Ärzte und Therapeuten, die Besserung durch aktive Bewegung, physikalische Therapien, Massage, sowie Änderungen im Verhalten zu erreichen.

Dr. Bernd Ramme, Pressesprecher der Deutschen Akademie für Akupunktur und Aurikulomedizin (DAAAM), sagt dazu: "Interessante Arbeit! Bei uns liegt das Nadeln derzeit fast ausschließlich in Medizinerhänden, was Vertrauen schafft." Ramme meint, dass sich "daran in Bälde nichts ändern wird. Eine umfassende Ausbildung, wie die DAAAM sie bietet, setzt medizinisches Fachwissen voraus. Die Patienten unserer Mitglieder wissen: Ihre Betreuer sind erfahrene Ärzte und Akupunkteure - eben Akupunkturärzte und damit Fachleute, auf die sie sich verlassen können!"


Quelle: Kalauokalani D et al: A comparison of physician and nonphysician acupuncture treatment for chronic low back pain. Clin J Pain 2005;21:406-11.


Autor: Springer Medizin
Stand: Sep 29, 2005


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