Operation & Untersuchung
Narkosevorteil durch Nadelung
Wer unmittelbar vor einer Narkose steht, will wissen: Werde ich während des Eingriffs auch wirklich nichts spüren? Weitgehend bekannt ist, dass neben Schmerzen auch Angstzustände durch eine Akupunkturtherapie gesenkt werden können. Griechische Schmerzmediziner stellten vor kurzem eine Studie vor, in der sie untersucht haben, ob die traditionelle chinesische Heilmethode auch die Narkosetiefe sinnvoll beeinflussen kann.
Zufallsgesteuert teilten die Wissenschaftler 50 Patienten in zwei Gruppen ein. Eine Gruppe erhielt über 15 Minuten eine Akupunkturtherapie an einem sogenannten Extrapunkt (Extrapunkt 1 [Yintang]). Die andere Gruppe wurde ebenfalls akupunktiert, jedoch an einem Kontrollpunkt seitlich der rechten Augenbraue.
Die Forscher registrierten die elektrische Hirnaktivität der Patienten anhand von EEG-Werten (Elektroenzephalogramm) vor, während und nach der Therapie in Abständen von jeweils 30 Sekunden. Im Rahmen einer Operation mit Vollnarkose informieren diese Werte den Anästhesisten über die Tiefe der Narkose. Die Intensität des Angstgefühls bestimmten die Forscher vor und nach der Therapie mit einer Schätzskala.
Die Hirnaktivität nahm unter der Akupunkturtherapie am Extrapunkt deutlich messbar ab, was für eine tiefere Narkose spricht, während sie bei der Nadelung am Kontrollpunkt fast gleich blieb. Dagegen gaben die Teilnehmer beider Gruppen nach der Akupunktur ein auffällig geringeres Angstgefühl an, verglichen mit den Basiswerten.
Nach diesen Ergebnissen kommen die Forscher zu dem Schluss, dass eine Akupunkturtherapie vor dem operativen Eingriff am Extrapunkt 1 sowohl als angstlösende Maßnahme als auch zur Narkosesicherung eingesetzt werden könnte.
Quelle: Paraskeva A, et al: Needling of the extra 1 point decreases BIS values and preoperative anxiety. Am J Chin Med. 2004;32(5):789-94.




