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Operation & Untersuchung

Amalgam - auch in der Akupunktur ein Problem

Amalgam wird seit vielen Jahrzehnten in der Zahnmedizin als Füllmaterial verwendet. Es hat gute mechanische Eigenschaften und lässt sich deshalb gut verarbeiten. Vor allem ist es billig herzustellen und fand deshalb ausgedehnte Verwendung. Amalgam besteht aus einer Quecksilberverbindung mit Silber, Zinn, Zink, Kupfer und anderen Metallen. Quecksilber ist allerdings hoch giftig. Seit der Einführung des Amalgams etwa um 1830 wurde seine Verwendung deshalb immer wieder kritisiert.

Der Streit der Experten um die gesundheitsschädliche Wirkung des Amalgams dauert bis heute an. Seit einigen Jahren werden die Amalgamkritiker ernster genommen. In einigen Staaten wie der ehemaligen Sowjetunion wurde das Amalgam, das in so viele Münder Eingang fand, gänzlich verboten. In Deutschland besteht eine Anwendungsbeschränkung für Amalgam bei Schwangeren und bei Kindern; generell sollte die Anwendung nur im Seitenzahnbereich erfolgen.

Woher kommt das Quecksilber im Organismus?

In den Wartezimmern einer Akupunkturpraxis finden sich immer wieder Patienten ein, die trotz ganz unterschiedlicher Beschwerden eines gemeinsam haben: Sie leiden unter einer Quecksilberbelastung. Und dieses Quecksilber stammt zum größten Teil aus Amalgamfüllungen, zum geringeren Teil aus Lebensmitteln.

Die bei der Amalgamherstellung verwendeten Mengen Quecksilber sind nicht unerheblich, ihr Anteil liegt bei etwa 50%. Je nach Lage, Verarbeitung, Kau- und Essgewohnheiten werden aus den Füllungen die Inhaltsstoffe freigesetzt. Beim Kauen, v.a. bei sauren und heißen Speisen, beim Zähneputzen, durch nächtliches Zähneknirschen - dauernd wird Quecksilber frei, vor allem in Dampfform, und belastet den Organismus.

Wohl unterliegen wir alle auch einer umweltbedingten Belastung durch Quecksilber, das aus der Atemluft und der Nahrung stammt. Das Gift stammt nicht nur aus Zahnfüllungen, sondern kommt aus Batterien, Medikamenten, Desinfektionsmitteln, Holz- und Pflanzenschutzmitteln. Alles Quecksilber findet irgendwann seinen Weg in die Luft oder über das Grundwasser in das Meer und von dort aus wieder in die Nahrung zurück.

Nach wissenschaftlichen Untersuchungen stammt aber das meiste Quecksilber, mit dem sich unser Organismus auseinander zu setzen hat, aus den Amalgamfüllungen. Dies kann man z.B. nachweisen, indem man prüft, wie hoch in den Geweben und Organen der Anteil an anorganischem (Zahnfüllungen) gegenüber organisch gebundenem Quecksilber (Nahrungsquecksilber) ist.

Der Anteil an anorganisch gebundenem Quecksilber lag in einer Studie an der Universität München bei über 90%, berichten G. Drasch, I. Schupp und G. Riedl in der Ausgabe 47 der Deutschen Zahnärztlichen Zeitung von 1992. Im Urin von Patienten ohne Amalgamfüllungen findet sich ca. 0,3 g/l Quecksilber, bei Patienten mit mehr als zehn Füllungen erhöht sich dieser Wert auf 1,5 g/l.

Das Quecksilber lagert sich im menschlichen Gewebe ab, vorzugsweise in Leber, Milz, Niere, und Gehirn, aber auch in der Haut und den Schleimhäuten und kann dort viele Jahrzehnte wirken. Nur geringe Mengen können - je nach Art des Quecksilbers - etwa über die Niere vom Körper ausgeschieden werden.

Wie macht sich die Vergiftung bemerkbar?

Auch wenn die freigesetzten Quecksilbermengen relativ gering sind: Sie wirken über 24 Stunden auf den Organismus ein. Und es zeigt sich, dass manche Menschen unter dieser Belastung erkranken. Es gibt eine Reihe von Symptomen, die auftreten können, manchmal erst Jahre nach dem Zahnarztbesuch: Müdigkeit, Vergesslichkeit, Konzentrationsstörungen, Hauterkrankungen, Infektionsanfälligkeit und andere mehr. Weniger bekannt ist aber die Tatsache, dass die Betroffenen durch ihre Quecksilberbelastung andere Leiden, die eigentlich nicht mit dieser Problematik zu tun haben, nicht ausheilen können. Das Amalgam wirkt als "Störfeld", es stört und schwächt den Körper. Ob es sich um Rückenschmerzen, Gelenkprobleme oder innere Leiden handelt, das Amalgam kann solche Erkrankungen mit unterhalten.

Im Gegensatz zur seltenen Quecksilberallergie, die z.B. mit einem Hautest nachweisbar ist, ist es viel schwieriger, diese schleichende Belastung zu diagnostizieren. Symptome können oft erst nach Jahren nach dem Einbau der Füllung auftreten und ein direkter Zusammenhang ist oft schwer nachzuweisen.

Zum Glück ist nur ein kleinerer Teil der Patienten von solchen Amalgamproblemen betroffen. Aber nicht selten sind es gerade diese Patienten, die sich nach längerem Leidensweg in einer Akupunkturpraxis vorstellen, weil andere Therapien nicht den erhofften Erfolg gezeigt haben. Der wird meist auch erst dann eintreten, wenn dieses Störfeld behandelt wird.

Störfelder feststellen und therapieren

In der Aurikulomedizin nach Nogier und Bahr bietet sich dem Akupunkturarzt die Möglichkeit, solche Störfelder zu festzustellen und zu behandeln. Im Zusammenwirken von Akupunkturbehandlung, Medikamenten und zahnärztlicher Therapie kann das Quecksilberproblem angegangen und gelöst werden. Nicht immer ist der erste Schritt die Entfernung des Amalgams. Beim Ausbohren der Füllungen wird der Körper einer erneuten hohen Quecksilberzufuhr ausgesetzt. Falls dieser Schritt nötig sein sollte, sind Schutzmaßnahmen wie der Kofferdam zu empfehlen, eine Abdeckung, die nur den zu behandelnden Zahn freilässt. Vor allem das Verschlucken der Amalgambröckchen und das Versprengen von Füllungsteilen in das Zahnfleisch wird vermindert. Eine ausreichende Absaugung und Frischluftzufuhr vermindert die Einatmung der Quecksilberdämpfe.

Auch nach der Entfernung des Amalgams muss dem Körper geholfen werden, so viel wie möglich des in den Geweben gespeicherten Quecksilbers auszuscheiden. Auch hier kann die Akupunktur in Kombination mit bestimmten Medikamenten helfen (z.B. Selen und Zink).

Autor: Bertram Disselhoff, Allgemeinarzt in Gießen

© 2002 Hippokrates Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH + Co. KG, Oswald-Hesse-Str. 50, 70469 Stuttgart

Die Patienten-Zeitschrift "Akupunktur" erscheint in Hippokrates Verlag und wird realisiert in Zusammenarbeit mit der Deutschen Akademie für Aurikulomedizin e.V. Die Zeitschrift ist ausschließlich im Wartezimmer von ausgewählten Akupunktur-Ärzten erhältlich. Fragen Sie Ihren Arzt danach! Im Zeitschriftenhandel und beim Verlag ist die Zeitschrift nicht zu beziehen. Der Abdruck auf LIFELINE erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Hippokrates Verlages.


Autor: Springer Medizin
Stand: Mar 31, 2004


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