
Elektro-Akupunktur
Elektroakupunktur wirkt anders als klassische Akupunktur
Nicht nur die Jahrtausende alte Akupunktur-Erfahrung spricht für dieses Therapiekonzept. Mittels moderner Forschung werden immer mehr "handfeste" Beweise für seine Wirksamkeit erbracht. Dabei konkurrieren im Wesentlichen zwei Methoden miteinander: Die klassische manuelle Akupunktur und die Elektroakupunktur. Wissenschaftler fanden heraus, dass beide Methoden eine unterschiedliche Wirkung zu haben scheinen.
Die wissenschaftlichen Studien mehren sich, in denen die Wirksamkeit der Akupunktur bei unterschiedlichen Krankheiten, wie beispielsweise chronische Schmerzen oder Asthma, eindrucksvoll bewiesen wird. Dabei kommt in letzter Zeit neben der klassischen Nadelakupunktur auch die Elektroakupunktur zum Einsatz, bei der die Nadeln zusätzlich unter Strom gesetzt werden. Ein Forscherteam aus Amerika und China interessierte nun die Frage, wie sich die Stimulierung mit den Nadeln auf das Nervensystem auswirkt und ob sich diese beiden Methoden unterschieden. Dazu nutzen sie ein bildgebendes Verfahren, die so genannte funktionelle Magnetresonanz-Bildgebung (fMRI), mit dem sich die Hirnaktivität darstellen lässt.
Elektroakupunktur wirkt anders
In einer Pilotstudie verglichen die Mediziner erstmals die Hirnaktivierungsmuster bei der Anwendung der klassischen manuellen Akupunktur und der Elektroakupunktur. Als einheitlichen Akupunkturpunkt wählten sie einen der am häufigsten verwendeten Akupunkturpunkte - Hegu (Di 4). Teilnehmer der Studie waren sechs männliche und fünf weibliche gesunde Probanden (Rechtshänder) im Alter zwischen 21 und 64 Jahren, die bereits Akupunkturerfahrung aufwiesen und somit unterschiedliche Empfindungen während der Akupunktur bewusst wahrnehmen konnten. In vier funktionellen MRI-Scans von jeweils fünf Minuten Dauer erhielten sie jeweils zwei Durchgänge mit manueller und Elektroakupunktur am Di 4-Punkt der linken Hand. Die Manipulation sollte jeweils ein moderates De-Qi-Gefühl bei den Probanden erzeugen. Das De-Qi-Gefühl, die Reaktion des Patienten auf das Setzen der Nadeln, ist ein für die Wirkung der Akupunktur entscheidender Faktor. Die Auswertung der Daten ergab, dass einige Bereiche des Gehirns während der Akupunktur aktiver sind, andere hingegen schwächer. Die Aktivitätsmuster unterschieden sich, je nachdem ob die Nadeln elektrisch stimuliert wurden oder nicht.
Elektroakupunktur ist der klassischen Methode nicht überlegen
Die Unterschiede in Signalverstärkung und Abschwächung bedeuten jedoch nicht, dass die Elektroakupunktur gegenüber der manuellen Akupunktur überlegen ist. Vielmehr weisen die Ergebnisse darauf hin, dass verschiedene Netzwerke des Gehirns während der manuellen und der Elektroakupunktur aktiviert werden und vermutlich unterschiedliche Mechanismen in der Folge zum Tragen kommen. Einige Gefühlseindrücke konnten bereits mit spezifischen Nervenfasertypen assoziiert werden. Der Begriff des De Qi dürfte nach Meinung der Autoren allerdings ein zu allgemeiner Parameter zur Klassifizierung der vielen Akupunktursensationen sein. Die Erforschung der Wirkmechanismen der Akupunktur könnte eines Tages, so die Mediziner, auch zu Verbesserungen ihrer klinischen Wirksamkeit führen.
Quelle: Kong J et al: A pilot study of functional magnetic resonance imaging of the brain during manual and electroacupuncture stimulation of acupuncture point (LI-4 Hegu) in normal subjects reveals differential brain activation between methods. The Journal of Alternative and Complementary Medicine 2002; 8:411-9.





