
Körperliche Veränderungen
Hilfe, ich wachse!
Probleme mit dem Kiefer, häufige Kopfschmerzen, wachsende Hände und Füße: Die Symptome der Akromegalie entwickeln sich oftmals sehr langsam.
Körperliche Veränderungen, die bei Patienten mit Akromegalie zu Beschwerden führen, sind auf eine Überproduktion des Wachstumshormons GH ("Growth Hormon") zurückzuführen. Auf die überschießende Freisetzung von GH reagieren unter anderem die sogenannten Akren (griechisch für "hervorstehende Körperteile") mit verstärktem Knochenwachstum.
Typische Veränderungen entwickeln sich langsam
Erste Anzeichen für eine Akromegalie sind vergrößerte Hände und Füße, eine Vergrößerung des Unterkiefers und eine Vorwölbung der Stirn, die auf dem Wachstum des Schädelknochens beruht. Alle diese Veränderungen entwickeln sich langsam, oft über Jahre hinweg. Daher werden sie von den Patienten und ihren Angehörigen auch nicht immer bemerkt. Häufig ist es ein alter Bekannter oder ein entfernter Verwandter, den man nach Jahren wieder einmal trifft, dem der Wandel im äußeren Erscheinungsbild auffällt und der den Betroffenen darauf aufmerksam macht. Viele Patienten werden auch stutzig, wenn sie plötzlich beim Schuhkauf eine Nummer größer benötigen oder wenn ihnen im Herbst die Handschuhe zu klein geworden sind.
Kiefer-Probleme häufig
Das Wachstum des Unterkiefers kann dazu führen, dass Zahnlücken zwischen den unteren Schneidezähnen entstehen, da die Zähne im größer werdenden Kiefer immer weiter auseinander weichen. Möglich ist auch die Entwicklung eines umgekehrten Überbisses, der sogenannten Progenie, bei der die Frontzähne des Unterkiefers vor den oberen Schneidezähnen liegen. Durch diese Veränderungen bekommen die Patienten nicht selten Probleme beim Abbeißen und Kauen. Ein hervorstehendes Kinn, das ebenfalls durch den wachsenden Unterkiefer entsteht, führt zusammen mit der Entwicklung von Lidwülsten und einer großen fleischigen Nase allmählich zu einer Vergröberung der Gesichtszüge und dadurch zu einem stark veränderten Aussehen.
Hände und Füße werden immer größer
Wachsende Füße lassen die Schuhe immer enger erscheinen. Da sich auch diese Veränderung langsam vollzieht, gehen viele Akromegalie-Patienten dazu über, Schuhe eine Nummer größer zu kaufen, ohne sich zunächst etwas dabei zu denken. Auch den größer werdenden Händen und Fingern werden Ringe zu eng, die einmal gepasst haben. Dies kann dazu führen, dass beispielsweise der Ehering nach einigen Jahren aufgeschnitten werden muss, da der Patient ihn nicht mehr abziehen kann. Ein Kribbeln und/oder ein Taubheitsgefühl in den Händen können auf ein Karpaltunnelsyndrom hindeuten.
Karpaltunnelsyndrom: Kribbeln in den Fingern
Das Karpaltunnelsyndrom ist ein Beschwerdebild, das durch die Schädigung eines bestimmten Nervs ausgelöst wird, der im sogenannten Karpaltunnel durch das Handgelenk verläuft und für die Empfindlichkeit der drei Mittelfinger zuständig ist. Erste Anzeichen eines beginnenden Karpaltunnelsyndroms sind das häufige Einschlafen der Hand und ein Kribbeln in den Fingern, das besonders nachts auftritt. Bei Akromegalie-Patienten entsteht die Enge im Karpaltunnel durch das Wachstum der Hände. Aber auch Menschen, die nicht an Akromegalie erkrankt sind, können ein Karpaltunnelsyndrom entwickeln.
Kopfschmerzen und Einschränkung des Sehfeldes
Weitere mögliche Symptome der Akromegalie sind Kopfschmerzen, eine vermehrte Schweißneigung, Gelenkbeschwerden, eine Einschränkung des Gesichtsfeldes "wie durch Scheuklappen", eine verminderte sexuelle Erregbarkeit und bei Frauen Zyklusstörungen. Eine Vergrößerung der Zunge kann Schnarchen auslösen. Wachsen innere Organe wie das Herz oder die Schilddrüse, kann dies zur Entstehung von Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck oder Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) führen.
Alle diese Symptome können bei Akromegalie vorkommen, sie treten aber in der Regel nicht gleichzeitig und von Patient zu Patient unterschiedlich stark ausgeprägt auf. Da sie sich über Jahre hinweg langsam entwickeln und oft nicht eindeutig auf eine Akromegalie hindeuten, hat der Betroffene häufig schon mehrere Untersuchungen und erfolglose Therapieversuche hinter sich, bevor die zugrunde liegende Akromegalie diagnostiziert und angemessen behandelt wird.


