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Experteninterview

"Jede große Praxis betreut einen Patienten mit unerkannter Akromegalie"

Leben-mit-Akromegalie sprach mit Professor Günter K. Stalla, Leiter der neuroendokrinologischen Ambulanz und der Forschungsgruppe klinische Neuroendokrinologie am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München.

Leben-mit-Akromegalie

Die Akromegalie gehört zu den seltenen Erkrankungen. Viele Patienten haben bereits eine "Ärzte-Odyssee" hinter sich, bevor sie zu Ihnen in fachärztliche Behandlung kommen. Haben Sie dennoch den Eindruck, dass die Erkrankung in den letzten Jahren bekannter geworden ist?

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Professor Günter K. Stalla

Nein, unverändert ist die Akromegalie eine spät gestellte Zufallsdiagnose.

Leben-mit-Akromegalie

Was sollte aus Ihrer Sicht getan werden, um die Akromegalie noch bekannter zu machen?

Professor Günter K. Stalla

Die Bevölkerung sollte weiter über die Erkrankung aufgeklärt werden. Die Präsentation von typischen Akromegalie-Fällen in Presse, Radio, TV und Internet ist dazu eine gute Möglichkeit. Apothekenzeitschriften sind besonders gut geeignet. Ein weiterer Schwerpunkt sollte auf der Stärkung von Selbsthilfegruppen und auf Patientenkongressen liegen.

Über entsprechende Fachzeitschriften sollten auch Hausärzte, Internisten Kardiologen, Orthopäden, Radiologen, Zahnärzte, Diabetologen und Endokrinologen noch mehr auf die Akromegalie aufmerksam gemacht werden. Diese Fachärzte kümmern sich oftmals jahrelang um die Symptome der noch nicht diagnostizierten Akromegalie. Jede große hausärztliche/ internistische Praxis betreut beispielsweise durchschnittlich einen Patienten mit unerkannter Akromegalie. Und Endokrinologen müssen bei jedem Hypophysentumor eine Akromegalie ausschließen, da milde Formen oft relativ unauffällig verlaufen.

Leben-mit-Akromegalie

Was tut sich Neues in der Behandlung der Akromegalie? Ist die Operation nach wie vor die Therapie der ersten Wahl oder gibt es Alternativen?

Professor Günter K. Stalla

Wenn ein Patient sich nicht operieren lassen möchte, Kontraindikationen für eine Operation bestehen, oder die Operation keine Heilung der Akromegalie verspricht, stellt die Therapie mit Somatostatin-Analoga eine Alternative dar.

Leben-mit-Akromegalie

Was kann man tun, wenn die Akromegalie nach einer OP nicht ausreichend kontrolliert ist? Was sind dann die nächsten Optionen?

Professor Günter K. Stalla

Die nächsten Optionen sind eine medikamentöse Therapie mit Somatostatin-Analoga, Dopamin-Agonisten (diese haben allerdings nur eine geringe Ansprechrate) oder GH-Rezeptor-Antagonisten, eine erneute Operation oder die stereotaktische Strahlentherapie.

Leben-mit-Akromegalie

Gibt es neue Medikamente oder Therapieansätze, die derzeit in Studien geprüft werden? Wo und wie kann man an solchen Studien teilnehmen?

Professor Günter K. Stalla

Derzeit befinden sich sogenannte Multirezeptor-Liganden in der klinischen Prüfung. In anderen Studien werden Kombinationstherapien aus mehreren wirksamen Medikamenten geprüft. Auskunft über die Voraussetzungen zur Teilnahme kann beispielsweise die neuroendokrinologische Ambulanz am Max-Planck-Institut für Psychiatrie unter der Telefonnummer 089 - 30 62 22 70 erteilen.

Leben-mit-Akromegalie

Was hat ein Patient von der Teilnahme an einer klinischen Studie?

Professor Günter K. Stalla

Vorteile der Teilnahme an einer klinischen Studie sind eine frühzeitig optimierte Therapie und eine engmaschige intensive Betreuung durch ein spezialisiertes Zentrum. Der Patient trägt durch seine Teilnahme aktiv zur Verbesserung der Therapie seiner Erkrankung bei.

Leben-mit-Akromegalie

Was kann ein Patient Ihrer Erfahrung nach tun, um mit seiner Erkrankung so gut und angenehm zu leben wie möglich und den Verlauf der Akromegalie positiv zu beeinflussen?

Professor Günter K. Stalla

Wichtig sind hierzu vor allem regelmäßige Kontrollen beim Spezialisten. Es ist eine dauerhafte Normalisierung des gestörten Hormon- und Stoffwechselhaushaltes anzustreben. Andere Erkrankungen, die zusätzlich zur Akromegalie vorliegen, sogenannte Komorbiditäten, müssen konsequent behandelt werden. Dazu gehört auch die Therapie von Depressionen und Schmerzen.

Leben-mit-Akromegalie

Hätten Sie noch weitere Anregungen, Ratschläge oder interessante Aspekte für die Patienten, die in den Fragen bisher nicht zur Sprache gekommen sind?

Professor Günter K. Stalla

In der Therapie der Akromegalie bedeuten gute Laborwerte nicht immer eine gute Lebensqualität des Patienten. Es besteht daher nach wie vor Forschungsbedarf über weitere mögliche Einflussfaktoren.

Eine neurochirurgische Therapie sollte nur in ausgewiesenen Zentren durchgeführt werden.

Es gibt keine spezialisierten Reha-Einrichtungen für Akromegaliepatienten.

Leben-mit-Akromegalie:

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Professor Stalla!



Kontaktdaten der neuroendokrinologischen Ambulanz am MPI:

Max-Planck-Institut für Psychiatrie
Neuroendokrinologische Ambulanz
Kraepelinstr. 2-10
80804 München
Tel.: 089 - 30 62 22 70
Fax: 089 - 30 62 27 460


Autor: Annette Mende
Stand: Sep 25, 2008


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